Die schärfste Alpine aller Zeiten

Fahrbericht: Alpine A110 S

292 statt 252 PS, ein noch sportlicher abgestimmtes Fahrwerk und eine exklusive Lackierung – Alpine hat die A110 mit der S-Version (ab CHF 74'800.--) weiter geschärft. Aber lohnt sich der Aufpreis von mindestens CHF 7'500.-- gegenüber der Légende?

Sie ist definitiv ein Hingucker! Mit der Sonderlackierung «Gris Tonnerre matt» (Aufpreis CHF 5'269.--) zieht die A110 S bewundernden Blicke auf sich. Das hat nicht nur mit dem aufregenden Design, sondern auch mit der Exklusivität auf Schweizer Strassen zu tun. Nur etwas mehr als 200 Exemplare des begehrten Mittelmotor-Sportwagens rollten bis Ende Mai in unser Land.

Wir sind das Spitzenmodell rund 800 Kilometer weit gefahren – in der Stadt, über Land, auf kurvigen Passstrassen und auf der Autobahn. Angetrieben wird die S-Version wie seine 42 PS schwächeren Schwestermodelle von einem 1,8-Liter-Vierzylindermotor, der ebenfalls im Renault Mégane RS zum Einsatz kommt. In der Alpine S leistet der Turbobenziner 292 PS und realisiert auf einem breiten Drehzahlband von 2000 bis 6400 U/min ein maximales Drehmoment von 320 Nm. Der Mittelmotor dreht damit etwas höher als im Pure und in der Légende.

Fast alles auf Knopfdruck

Der Start ist gewöhnungsbedürftig. Der kreditkartengrosse Schlüssel im edlen Lederetui kann nach dem Öffnen wieder im Hosensack verstaut werden. Zuerst drückt man den grossen Startknopf auf der Mittelkonsole. Bevor die Automatik aktiviert werden kann, muss zuerst die elektrische Handbremse gelöst werden. Dann drückt man entweder auf D (Automatik) oder auf R (Rückwärtsgang). Beim Zurücksetzen erleichtert die Kamera, welche im Digitaldisplay hinter dem Lenkrad eingeblendet wird, das Rangieren. Glücklicherweise, denn die Sicht durch das flach abfallende Heckfenster ist sehr eingeschränkt. Überhaupt funktioniert in der Alpine fast alles per Knopf- oder Tastendruck. Bei Bedarf auch das Schalten mittels grossen Wippen, die leider nicht am Lenkrad angebracht sind, was das Hochschalten beim Einlenken aus der Kurve heraus nicht optimal macht. Richtig gut bewältigt dafür das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (DKG) seine Aufgabe: schnell und präzise. Das sportlich straff abgestimmte Fahrwerk lässt ebenfalls keine Wünsch offen und bietet trotzdem immer noch genügend Komfort.

Brachiale Beschleunigung

Auch in den Alpine-Basisversionen Pure und Légende kann man bereits sehr viel Fahrspass geniessen – mit der A110 S einfach noch etwas mehr. Der Hecktriebler lässt sich dank einer nahezu perfekten Gewichtsverteilung von 56 Prozent auf der Hinter- und 44 Prozent auf der Vorderachse super einfach durch die Kurven dirigieren. Die Beschleunigung ist brachial: Der potente 1,8-Liter-Vierzylinder-Turbomotor katapultiert die 1,2 Tonnen leichte Aluminiumflunder in nur gerade 4,4 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Die Schaltvorgänge werden dabei von einem sportlichen Bollern begleitet. Im Stadtverkehr gibt sich die Alpina A110 S hingegen betont zurückhaltend. «Die ist gar nicht so laut, wie sie aussieht», meinte ein Passant sichtlich überrascht.
Beim Verbrauch klaffen die Werksangaben und die Realität – wen wundert’s – ordentlich auseinander. Mit den offiziellen 6,5 Liter pro 100 Kilometer lässt sich die Alpine S im Alltag nicht bewegen. Wir haben einen Mixverbrauch von 8,2 l/100 km errechnet.

Mit einem Basispreis von CHF 74'900.-- rollt die Alpine A110 S durchaus selbstbewusst auf die Strasse. Unser Testauto schlägt mit CHF 81'050.-- zu Buche. Ein gut ausgestatteter BMW Z4 M40i mit 340 PS (0-100 km/h in 4,7 sec, CHF 78'000.--) oder die Basisversion des Porsche Cayman mit 300 PS (0-100 km/h in 5,3 sec, ab CHF 73'100.--) sind sogar etwas günstiger – aber unter dem Strich einfach auch etwas weniger exklusiv. 

FAZIT

Die Alpine S-Version ist gegenüber ihren Schwestermodellen Pure und Légende in fast allen Bereichen einen Tick schärfer. Aber alle drei Versionen sind als Erstauto ungeeignet. Viel eher sind sie ein Freizeitspielzeug auf vier Rädern, das jedoch auf jedem einzelnen Meter Asphalt enorm viel Spass macht. Wenn wir einen Wunsch frei hätten, dann diesen: die Alpine A110 als Roadster – das wäre genial!

Autor: Markus Rutishauser

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