Digitalisierung der Autowelt

Diese Megatrends bewegen die Autobranche

In der Autowelt dreht sich derzeit alles um die Digitalisierung. Das Software Defined Vehicle (SDV) steht dabei im Mittelpunkt. Auch neue Batterietypen und neue Fahrzeugkonzepte sind wichtige Themen.

Die Software, Konnektivität und Update-Fähigkeit prägen das Autofahren immer mehr.
Die Software, Konnektivität und Update-Fähigkeit prägen das Autofahren immer mehr.

Der globale Automobilmarkt ist einem steten Wandel ausgesetzt. Die Vorlieben der Kundschaft ändern sich, genauso wie sich der Zeitgeist und die politischen Strömungen ändern. Aktuell dreht sich in der Branche fast alles um die Themen Digitalisierung, Künstliche Intelligenz (KI), autonomes Fahren, neue Batterietypen und innovative Fahrzeugkonzepte.


Software Defined Vehicle

Das Software Defined Vehicle (SDV) ist derzeit in aller Munde. Hinter diesem Akronym verbirgt sich ein neuer Entwicklungsansatz, bei dem softwaregesteuerte Funktionen und nicht mehr die Mechanik im Zentrum stehen. «Wenn Sie sich ein Auto sehr vereinfacht vorstellen, dann haben Sie zuunterst das Rolling Chassis, also das gesamte Fahrwerk. Beim SDV wird nun darüber als zusätzliche Schicht die Software-Architektur gelegt», erklärt VW-Technikvorstand Kai Grünitz. «Diese E/E-Architektur regelt grundlegende Funktionen wie Antriebsansteuerung, Lenkung, Bremse, Infotainmentsystem oder Fahrerassistenz.»

Alle grossen Autohersteller haben inzwischen SDV-Plattformen entwickelt und für die kommenden Jahre zahlreiche neue Modelle darauf angekündigt. Das eröffnet neue Geschäftsfelder, da sich nicht nur Apps, sondern auch komplette Fahrfunktionen nachträglich anbieten lassen. Für die Kunden liegt der grösste Vorteil darin, dass das eigene Fahrzeug im digitalen Zeitalter technisch auf dem neuesten Stand bleibt. Als Kehrseite gelten Datenschutzbedenken sowie die Sorge, dass Fahrzeuge beim Kauf nicht mehr vollständig ausgereift sind, da funktionale Mängel später per Update behoben werden können.


Künstliche Intelligenz (KI)

Die Künstliche Intelligenz (KI) ist in der Autoindustrie längst angekommen. Sie kommt in Entwicklung und Produktion ebenso zum Einsatz wie bei modernen Fahrassistenzsystemen oder im User Interface, also in der Kommunikation von und mit dem Auto. Besonders erlebbar ist KI bei intelligenten Sprachassistenten: Dank der Anbindung an grosse KI-Modelle wie ChatGPT steuern sie nicht nur Funktionen, sie beantworten auch komplexe Fragen oder liefern kontextbezogene Informationen zur Umgebung.

KI ist zudem eine Schlüsseltechnologie für fortschrittliche Assistenzsysteme wie automatische Einparkfunktionen, Spurhalteassistenten oder Notbremssysteme. «Durch den Einsatz von KI bekommen die Kunden deutlich rascher neue Fahrzeuge mit zusätzlichen Funktionen», sagt Kai Grünitz. «Zudem wird die KI im Auto immer erlebbarer, etwa durch digitale Assistenten im Infotainmentsystem, durch die man den Zugriff auf den eigenen Kalender oder das eigene Mailpostfach erhält und so das Auto zum mobilen Büro wird.»

Diese Kei-Cars sind in Japan populär: Suzuki Spacia und Mitsubishi eK Wagon.
Diese Kei-Cars sind in Japan populär: Suzuki Spacia und Mitsubishi eK Wagon.

Autonomes Fahren

Eng mit dem Thema KI verbunden ist das autonome Fahren – seit Jahrzehnten ein zentrales Versprechen der Automobilindustrie. Technisch beherrschen moderne Fahrzeuge bereits zahlreiche autonome Funktionen, doch die vollständige Integration in den Strassenverkehr mit all seinen variablen Faktoren bleibt anspruchsvoll. Aktuelle Autos können ferngesteuert ein- und ausparken, verkehren auf der Autobahn in einem bestimmten Tempobereich ohne Zutun des Fahrers und können dabei selbstständig die Spur wechseln oder in eine Ausfahrt abbiegen. Dabei spricht man vom Level 3.

Beim fahrerlosen Shuttle ist dann Level 5 erreicht. Bis dahin wird es laut Experten aber noch dauern, da dafür sowohl die geeignete Infrastruktur als auch neue regulatorische Rahmenbedingungen erforderlich sind.

Auf Level 4 können sich Autos in einem eingegrenzten Gebiet wie beispielsweise einer grösseren Stadt aber schon jetzt völlig autonom bewegen, wie verschiedene Shuttle-Projekte zeigen.

Feststoffbatterie

Höhere Energiedichte, kürzere Ladezeiten und eine lange Lebensdauer: Die Feststoffbatterie gilt als Hoffnungsträger der Elektromobilität. Anders als bei heutigen Lithium-Ionen-Akkus wird die Ladung dabei nicht über einen flüssigen, sondern über einen festen Elektrolyten transportiert, meist in Form einer keramischen Schicht. Der bisherige Grafit-Minuspol wird durch reines Lithium ersetzt.

Die technische Umsetzung in die Grossserie stellt die Industrie jedoch vor Probleme. Nach zahlreichen Ankündigungen und wiederholten Verschiebungen scheint die Serienumsetzung nun näher zu rücken, zunächst allerdings in begrenzten Stückzahlen. Chinesische Hersteller wie Exeed, SAIC oder Dongfeng rüsten nun erste Modelle in Kleinserie damit aus. Etablierte Hersteller wie BMW, Toyota und Volkswagen planen eine breitere Einführung für den Zeitraum von 2027 bis 2028. Fachleute gehen davon aus, dass eine flächendeckende Marktdurchdringung erst mittelfristig realistisch ist, da Produktionskosten, Skalierung und Langzeitstabilität weiterhin zentrale Hürden darstellen.

Micro Cars

Während Fahrzeuge immer grösser werden, nimmt der verfügbare Raum auf den Strassen und in den Städten ab. Diese Entwicklung spricht für eine neue Generation besonders kleiner Elektroautos. In Europa wird daher über die Schaffung neuer Fahrzeugklassen unterhalb des PW diskutiert. Die EU-Kommission plant, noch in diesem Jahr einen Vorschlag für besonders kleine Elektroautos zwischen Leichtfahrzeugen und regulären PWs vorzulegen, um günstigen Importen aus China etwas entgegenzusetzen. Im Gespräch sind neue Kategorien wie M1e oder M0. Sicherheitsverbände warnen allerdings vor zu starken Absenkungen der Standards.

Zwar existieren mit den Klassen L6e und L7e bereits Kategorien für leichte Elektrofahrzeuge, doch Modelle wie der Citroën Ami oder der Microlino spielen hierzulande wegen geringer Höchstgeschwindigkeit, eingeschränkter Sicherheitsausstattung und fehlender Förderanreize bislang kaum eine Rolle. Als Vorbild für die neuen Klassen gilt Japan, wo die sogenannten Kei-Cars dank klarer Vorgaben und steuerlicher Vorteile rund ein Drittel der Neuzulassungen ausmachen.

Nissan will in zwei Jahren (2028) eine Feststoffbatterie auf den Markt bringen.
Nissan will in zwei Jahren (2028) eine Feststoffbatterie auf den Markt bringen.

Text Dave Schneider / Bilder zVg

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