Oldtimer-Ausfahrt, 28. August 2021

„In Vino veritas“, im Wein liegt Wahrheit.

Es kam vieles zusammen an der diesjährigen Oldtimer-Ausfahrt der ACS Sektion Thurgau. Die 55 Teilnehmer in ihren 30 wunderschönen Fahrzeugen strömten am 21. August zu früher Stunde in die Egloff City nach Tägerwilen. Die Damen entzückend im 50er Jahre Stil gekleidet, die Herren verblassten beinahe bei so viel Charme an ihrer Seite. Kaffee und Gipfel am Morgen, was gibt es Schöneres. Das Tagesprogramm war verlockend, ganz anders als das Wetter in seiner Prognose. Starkregen. Die Organisatorencrew mit Andi Straehl, Tindaro Milone, Christof Papadopoulos und Christof Roell sahen vor ihrem geistigen Auge bereits Picknickdecken samt deren Besitzer sowie diversen Köstlichkeiten durch die Weinreben hindurch in die Niederungen abrutschen. Sie sahen matschverschmierte Gesichter, während sich Oldtimer nach und nach mit Regenwasser füllten. Alles nicht gerade ein erfreulicher Start in den Tag. Es sollte nicht ganz so schlimm werden.

Doch bevor die Motoren aufheulten, gab es eine wichtige Bekanntmachung. Die ACS Sektion Thurgau vergab in diesem Jahr ein Preisgeld von jeweils CHF 1‘000.— an drei Absolventen der Ausbildung mit eidg. Fachausweis zur „Fahrzeugrestauratorin / Fahrzeugrestaurator“ Fachrichtung Mechanik/Elektrik. Die 3 Preisträger, Michael Hugener, Silvio Krucker und Nico Roth, waren sichtlich erfreut über den wertvollen Umschlag, den ihr Fachlehrer Jürg Hofer mit sehr persönlichen Worten überreichte. Jürg Hofer hatte diese Ausbildung massgeblich ins Leben gerufen und organisiert.

Dann war es soweit: Ladies and Gentlemen, start your engines. Das Wetter passte leider zum diesjährigen Thema. Weinbau unter schwierigen klimatischen Bedingungen. Das Weingut Burkhart in Weinfelden ist weit über die Grenzen bekannt für ausgezeichneten Wein. Das Jahr 2021 jedoch hat der Winzerfamilie nicht nur Kopfzerbrechen beschert. Hagel und viel zu viel Regen, der Ertrag brach signifikant ein. Selbst eine neue und robuste Rebsorte kann den Verlust nicht annähernd wettmachen. Biowein unter diesen Bedingungen herzustellen ist höchst schwierig. Michael Burkhart machte sich und uns Mut. Die Degustation bewies, dass sich seine Arbeit und die seiner Familie wirklich gelohnt hatten. Viele 6er Karton Wein verschwanden in der Folge auf den Rücksitzen oder im Kofferraum der teilnehmenden Fahrzeuge und werden ganz sicher in den eigenen vier Wänden nochmals intensiv probiert und beurteilt.

Während der anschliessenden Fahrt ins Zürcher Weinland wechselte die Farbe der tiefhängenden Wolken von hellgrau zu anthrazit. Erste dicke Wassertropfen klopften an die Scheiben. Ein Halt auf offener Strecke war unumgänglich. Wer hatte, schloss das Verdeck seines Autos, manche per Hand, andere per Hydraulik. Ganz dicht wurden die Oldtimer dadurch nicht. Aber genau das zeichnet den Oldtimerfreund aus. Nicht aufgeben, Dach schliessen, Fenster zu und immer freundlich bleiben. Weiter ging’s.

Weingut Kilchsperger in Flaach in einer unglaublich schönen Landschaft. So nah und so schön. Wer es nicht kennt sollte es unbedingt kennenlernen. Wochen zuvor, auf unserer Erkundungsfahrt dorthin und nach dem Gespräch mit Ueli Kilchsperger konnten wir uns kaum wieder lösen. Jetzt angekommen, stellten wir alle Oldtimer in Reihe auf, rechts und links nichts als Reben. Einen herzlichen Empfang, dann verteilten wir die Picknicktaschen und teilten die Gruppe in „Hungrige“ und „nicht ganz so Hungrige“. Während die Ersten sich über erntefrisches Gemüse vom Hof Schächtle in Tägerwilen, feinstes Fleisch und Käse von Kilo + Gramm, Tägerwilen, und legewarme Hühnereier hermachten, erklärte Ueli seine Weingut-Philosophie. Die „nicht ganz so Hungrigen“ vergassen ihren Hunger, so spannend und persönlich engagiert wurde erzählt, gefragt und geantwortet. Familie Kilchsperger hat sich inzwischen auch einen Namen mit ihrem selbst produzierten Senf gemacht. Diesen gleich zu probieren war eine Selbstverständlichkeit. Während sich draussen die schweren Regenwolken entluden, rückten wir in der Halle zusammen. Sau gemütlich ist so ein Picknick im Trockenen.

Das OK setzte sich nach der kulinarischen Vielfalt zusammen und wählte die Gewinner aus den 30 schönsten Fahrzeugen und den nicht minder herausgeputzten Fahrern samt Beifahrern. Ernst Rüsi und Rieko Huber mit ihrem perfekt restaurierten Bentley von 1956 holten den Preis und dürfen bei der historischen Ausfahrt im nächsten Jahr gratis mitfahren. Herzlichen Glückwunsch!

Jetzt hiess es volle Konzentration einsetzen. Die 30 Piloten mussten ihre Fahrzeuge auf steiler und regennasser Strasse zwischen den Reben herunterbringen. Alles ging glatt, oder besser gesagt gut. Während der Rückreise in den Thurgau nach Kreuzlingen waren die Beifahrer gefordert. Das Roadbook versprach eine schöne Streckenführung. Glücklich war, wer einen Beifahrer oder eine Beifahrerin hatte, der oder die mit klarer Stimme die Richtung vorgeben konnte. In Kreuzlingen angekommen, wurden die Fahrzeuge auf der Hafenplatte vor dem Restaurant Alti Badi aufgestellt und sogleich von Herbeieilenden bestaunt. Historische Autos erregen immer Aufmerksamkeit. Auch offenkundige Nicht-Autofahrer erfreuen sich an den Wunderwerken der Technik und des Designs. Dies zur Freude der Besitzer.

50er Jahre Style und 50er Jahre Musik sind gleichbedeutend mit Elvis. Im Rahmen der Jazzmeile Kreuzlingen, die in diesem Jahr zwar in abgespeckter Form aber immerhin an einigen Veranstaltungsorten in und um Kreuzlingen stattfand, trat kein Geringerer als eben dieser Elvis mit seiner Band auf. Trotz räumlicher Trennung zwischen Bühne und Publikum sprang der Funke über. Und dann geschah es: Die Jüngeren begannen wild zu tanzen und dann rockte der Saal mit Marcus C. King. Zeitlos nennt man das. Wunderbar. Ob man die heutige Musik in 70 Jahren auch noch hört und darauf tanzt? Never ever!

Es war wieder ein super Anlass dank der Teilnehmer, die definitiv nicht wasserscheu waren und dabei ihre gute Laune nicht vergassen. Herzlichen Dank an alle die das möglich gemacht haben.

In vino veritas. Jedoch: Wer die Wahrheit im Wein finden will, sollte die Suche nicht gleich beim ersten Glas aufgeben.

Text: Christof Roell

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