Neuer Fahrer, modifiziertes Auto und neue Reifen. Fakten, auf die sich Emil Frey Racing in der kommenden DTM-Saison vorbereiten muss. Teamchef Lorenz Frey-Hilti gibt die Marschrichtung vor, mit dem Ziel, um Podiumsplätze und Meisterschaft zu kämpfen.

Lorenz Frey-Hilti führt Emil Frey Racing in eine neue Phase – das parallel zu neuen Aufgaben ausserhalb des Motorsports. Mit der Übernahme des Präsidentenamts bei den ZSC Lions zeigt der Teamchef, dass Führungsstärke und Organisationstalent über Sportarten hinweg funktionieren. «Am Ende geht es in beiden Welten um dieselben Werte: Teamwork, Disziplin, Vertrauen», sagt er. «Ob du Rundenzeiten jagst oder Pucks – du brauchst Struktur und Leidenschaft.» In Safenwil ist der 35-Jährige die ruhige Kraft hinter dem Erfolg. Kein Mann der grossen Gesten, sondern einer der Systeme. Wer ihn erlebt, spürt sofort: Hier spricht keiner von Visionen – hier wird gearbeitet.

Das ist auch nötig, um für die Saison 2026 gerüstet zu sein. Das DTM-Reglement steht im Zeichen von Weiterentwicklung und Nachhaltigkeit. Einziger Newcomer ist der Lamborghini Temerario GT3. Bei allen anderen Rennfahrzeugen kommen Evolutionsstufen zum Einsatz. So auch für die beiden Ferrari 296 GT3 EVO. Die wichtigsten Neuerungen des weiterhin vom rund 600 PS starken 2,9-Liter-V6 angetriebenen Italieners entfallen auf eine verbesserte Aerodynamik, optimierte Luftführungen, einer weiterentwickelten Getriebeabstimmung sowie einer erhöhten Set-up-Flexibilität und Zuverlässigkeit. Doch nicht nur das. Zusätzlich bekommen die DTM-Autos neu entwickelte Pirelli-Reifen verpasst.
So kann man kaum auf bestehende Daten aus dem Vorjahr zurückgreifen. Ingenieure und Fahrer stehen vor der Aufgabe, die neue Reifencharakteristik – insbesondere im Temperaturfenster und beim Verschleissverhalten – schnell zu verstehen und zu optimieren. Diese Erfahrungswerte lassen sich nur beim Testen herausfinden. Lorenz Frey-Hilti: «Wir wollen natürlich möglichst breit testen, um die verschiedenen Settings vom Fahrzeug zu verstehen. Das hat grosse Einflüsse und neue Möglichkeiten am Fahrzeug, die wir bei den bisherigen Tests in Le Castellet, Vallelunga und Misano erprobt haben. Aktuell sind wir sehr zufrieden. Das trifft auch auf die Zuverlässigkeit zu.»
Als besonders zuverlässig soll sich auch Matteo Cairoli herauskristallisieren. Der Nachfolger von Jack Aitken, der künftig für Cadillac in der WEC im LMDh-Auto unterwegs ist, greift neu ins Volant des Ferrari 296 GT3 EVO. Durch seine Erfahrungen im Porsche Carrera Cup, in der FIA WEC, der IMSA und der GT World Challenge Europe verfügt der 2021er-Sieger des 24-Stunden-Rennens auf dem Nürburgring über viel GT3-Know-how. Er gilt als technisch versiert, stark im Reifenmanagement und präzise in der Rückmeldung – Eigenschaften, die auf dem neuen Pirelli-Material Gold wert sind.
Und Lorenz Frey-Hilti hält grosse Stücke auf den 29-Jährigen: «Matteo hat unter den Fahrern einen enorm guten Ruf, und sein Wille war gross, unbedingt zu uns wechseln zu wollen. Schon bei den ersten Tests hat er bewiesen, dass er ein Top-Fahrer ist und sehr gut performt – auch im internen Konkurrenzkampf mit unseren drei anderen Fahrern.»
Mit Cairoli soll bei den Rennen mehr Konstanz Einzug in den Rennstall aus Safenwil AG halten. «Klar bringt Thierry Vermeulen mit seiner mittlerweile dreijährigen Teamzugehörigkeit grosse Erfahrung mit», sagt Frey-Hilti. «Durch die neuen Reifen und die EVO-Ausbaustufe ist für alle Piloten wieder alles auf null gestellt. Die Erfahrungswerte der Fahrer, die drei oder vier Jahre auf diesem Reifen fuhren, sind doch wieder etwas reduziert. Das wird Matteo sicher helfen, zusammen mit Thierry Vermeulen um gute Platzierungen oder Podestplätze in der DTM zu kämpfen.»


Geht es nach Lorenz Frey-Hilti, soll der Niederländer, der eng verbunden mit Verstappen.com Racing ist, den nächsten Schritt in seiner DTM-Karriere gehen. «Wir haben mit Thierry einen Ferrari-Piloten, der bei uns in sein viertes Jahr geht und 2025 mit einer Poleposition und drei Podiumsplätzen enormen Rückenwind erfahren hat. Ich glaube, er ist mittlerweile so weit, auch Rennen gewinnen zu können.»
Dass der 23-Jährige genau das kann, hat er in der GT World Challenge schon bewiesen. «Mit Chris Lulham und Thierry Vermeulen haben wir letztes Jahr im Gold-Cup gewonnen», so Frey-Hilti. «2026 wollen wir aber um den Gesamtsieg fahren. Heisst: Meister im Sprint-Cup werden. Dafür haben wir mit Konsta Lappalainen – einem sehr, sehr, zuverlässigen und schnellen Piloten – und Matteo Caroli sowie Thierry Vermeulen und Ben Green zwei Duos, die auf sehr ähnlichem und gutem Niveau unterwegs sind. Wir sind überzeugt, dass, wenn wir einen guten Job machen, sie vorne mitfahren.»
Und was rechnet sich der Teamchef für die DTM 2026 aus? «Letztes Jahr hatten wir die Chance, die Meisterschaft zu gewinnen. Wir hätten sie gewinnen müssen. Es lag alles in unseren Händen. Doch gab es Rennen, wo wir keine oder fast keine Punkte einfuhren, wo wir hätten punkten müssen. Ob wir dieses Jahr in der Lage sind, wieder bis zum Schluss, um die Meisterschaft mitzukämpfen, werden wir sehen. Es muss sicher alles zusammenpassen.»
So geht Emil Frey Racing 2026 als weiter gereiftes, selbstbewusstes Team in die Motorsportsaison. Mit Matteo Cairoli, weiterentwickelter Technik, neuen Reifen und klarer Vision stellt sich die Mannschaft den neuen Gegebenheiten – fokussiert, professionell und kompromisslos.


Text Jörg Petersen / Bilder zVg