Fahrbericht VW ID. Polo

Der Stromer fürs Volk?

Volkswagen hat den ID. Polo enthüllt. Mit der ab CHF 24'900.– angebotenen Elektroversion ihres 20-Millionen-Bestsellers wollen die Wolfsburger zeigen, dass E-Mobilität nicht nur im SUV-Format und in höheren Preisklassen funktioniert.

Anders als die grösseren Stromer im VW-Konzern wird der ID. Polo über die Vorderräder angetrieben.
Anders als die grösseren Stromer im VW-Konzern wird der ID. Polo über die Vorderräder angetrieben.

Als erstes Serienmodell auf Basis der neuen MEB+-Architektur soll der 4,05 Meter lange, 1,82 Meter breite und 1,53 Meter hohe ID. Polo anders als die grösseren ID-Modelle auf Frontantrieb, was Vorteile bei Bauraum, Gewicht und Effizienz bringen soll. Und tatsächlich, der Radstand von 2,60 Meter und das Elektro-Layout schaffen in der ersten und zweiten Sitzreihe ordentlich Platz, wie wir bei unserer ersten Sitzprobe feststellen konnten. Noch bemerkenswerter ist der Kofferraum, dessen Volumen gegenüber dem bisherigen Polo mit Verbrennungsmotor um rund 25 Prozent auf 441 Liter steigt. Bei umgeklappter Rückbank stehen bis zu 1243 Liter Ladevolumen zur Verfügung. Der Clou ist der zweite Ladeboden unter der Abdeckung, der so tief ist, dass er locker noch eine Kiste Wasser schluckt. Das ist für ein Fahrzeug dieser Klasse ein starkes Argument, weil es den ID. Polo nicht nur als City-Stromer, sondern auch als ernst zu nehmendes Alltagsauto für kleine Familien, Pendler und Zweitwagenkäufer positioniert.

Optisch führt der ID. Polo erstmals komplett die neue VW-Designsprache «Pure Positive» ein. Chefdesigner Andreas Mindt setzt dabei auf klare Proportionen, eine markante Frontpartie und klassische Volkswagen-Elemente, wie etwa die vom Golf inspirierte C-Säule. Gleichzeitig soll das Lichtdesign den technologischen Wandel sichtbar machen. Besonders auffällig sind je nach Ausstattung beleuchtete LED-Lichtleisten, 3D-LED-Rückleuchten und ein illuminiertes VW-Logo.

Der Radstand von 2,60 Meter und das Elektro-Layout schaffen viel Platz für Passagiere und Gepäck.
Der Radstand von 2,60 Meter und das Elektro-Layout schaffen viel Platz für Passagiere und Gepäck.
Der ID. Polo bietet ein bemerkenswertes Stauvolumen von 441 bis 1243 Liter.
Der ID. Polo bietet ein bemerkenswertes Stauvolumen von 441 bis 1243 Liter.

Retro-Anzeige und Tasten

Auch im Innenraum setzt Volkswagen auf die neue Gestaltung. Das Cockpit kombiniert ein digitales 10-Zoll-Kombiinstrument mit dem neuen 13-Zoll-Infotainmentsystem «Innovision». Die Anzeigeeinheit ist zentral positioniert und von Fahrer und Beifahrer gleichermassen gut zu erreichen. Es gibt klare physische Tasten, Druckflächen, Regler – darunter nun auch wieder vier Fensterheber statt der verwirrenden zwei bei den ersten ID-Modellen – sowie vertraute Bedienfunktionen, übersichtliche Anordnung und warm wirkende Materialien. «Mit dem ID. Polo wollten wir einen Innenraum kreieren, der sich schon beim ersten Kontakt wie ein Freund anfühlt», sagt Andreas Mindt. Dafür hat er sogar eine «Retro-Anzeige» kreiert. Wird diese über die «View»-Taste im Lenkrad gedrückt, tauchen im Cockpit die Instrumente eines späten Golf I auf, mit einem klassischen Tacho auf der linken Seite des digitalen Cockpits und einem stilisierten Drehzahlmesser auf der rechten. Der zeigt natürlich keine Motordrehzahlen an, sondern – als Powermeter ausgeführt – die Energieabgabe oder Energieaufnahme des Antriebs.

Das Fahrerdisplay im Retro-Design und haptische Tasten prägen das Armaturenbrett und Lenkrad.
Das Fahrerdisplay im Retro-Design und haptische Tasten prägen das Armaturenbrett und Lenkrad.

Bis zu 455 Kilometer

Apropos, der Blick auf die technischen Eckdaten lesen sich für die Klasse durchaus schlüssig. Zum Start sind drei Leistungsstufen mit 85 kW (116 PS), 99 kW (135 PS) und 155 kW (211 PS) vorgesehen, später soll ein GTI mit 166 kW (226 PS) folgen. Hinzu kommen zwei Akkuvarianten: eine 37-kWh-LFP-Batterie für die günstigeren Versionen und eine 52-kWh-NMC-Batterie für die stärkeren Modelle. Als Reichweite prognostiziert Volkswagen mit dem grössten Akku bis zu 455 Kilometer, für die LFP-Batterie gibt es noch keine Angaben.

Bei der Ladeperformance versucht Volkswagen, die Balance zwischen Kosten und Nutzwert zu treffen. Die 37-kWh-Versionen sollen an DC-Säulen mit bis zu 90 kW laden, die Modelle mit 52-kWh-Batterie mit bis zu 105 kW. Das sind keine Rekordwerte, für die Klasse und das Anforderungsprofil aber noch akzeptable Grössenordnungen, solange die Ladekurve im Alltag stabil bleibt. Die VW-Prognosen für das Schnellladen von 10 bis 80 Prozent mit 90 kW gehen von rund 27 Minuten aus, bei dem grösseren Akku mit 105 kW soll sich der Wert auf rund 24 Minuten reduzieren.

Serienmässig an Bord ist das One-Pedal-Driving, das das starke Verzögern des Autos allein über die Regulierung des Fahrpedals ermöglicht. Eine weitere Besonderheit ist die serienmässige Vehicle-to-Load-Funktion. Damit kann der
ID. Polo externe Geräte mit Strom versorgen – etwa E-Bikes, Werkzeuge oder Outdoor-Equipment. Die maximale Leistung beträgt 3,6 kW.

Basisversion im ­Spätsommer

Über Erfolg und Akzeptanz entscheidet am Ende natürlich wie immer der Preis – und genau hier wird es knifflig. Zwar klingen CHF 24'900.– zunächst mal erfreulich bodenständig. Allerdings wird es dabei nicht bleiben, ist der kommunikative Einstiegstarif doch selten der Preis, bei dem das Auto in der Breite wirklich gekauft wird. Sobald grössere Batterie, stärkere Motorisierung, Komfortextras oder Assistenten hinzukommen, rückt auch der ID. Polo rasch in Preisregionen vor, in denen Kunden beginnen, nach grösseren Fahrzeugen oder besser ausgestatteten Alternativen zu schauen. Hinzu kommt, dass der Verkauf des neuen VW-Elektro-Einsteigers am 29. April 2026 nicht mit der günstigen Einstiegsversion startete, sondern mit der Top-Motorisierung. Die Preise beginnen deshalb vorerst ab CHF 35'400.– für den ID. Polo Life mit 155  kW (211 PS) und 52-kWh-Batterie. Die Basis und weitere Antriebs- und Ausstattungsvarianten sollen erst ab Ende August folgen. Somit wird sich der Start des volksnahen E-Volkswagens nochmal um ein paar Monate verschieben.

Text Frank Wald und Markus Rutishauser / Bilder Werk

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