Schritt um Schritt strebt Schläppi den Titel im Deutschen Rallye-Cup (DRC) an

Mathias Schläppi blickt auf rund 30 Jahre Motorsport zurück. Schritt für Schritt hat sich der Meiringer in der nationalen und internationalen Motorsportszene einen Namen geschaffen.

Seit 2024 greift Mathias Schläppi im Deutschen Rallye Cup DRC an. Nach Platz 3 2025 wird er im Peugeot 208 R2 dort auch 2026 auf Titeljagd gehen.
Seit 2024 greift Mathias Schläppi im Deutschen Rallye Cup DRC an. Nach Platz 3 2025 wird er im Peugeot 208 R2 dort auch 2026 auf Titeljagd gehen.

Wer drei Jahrzehnte durchhält, hat gelernt, mit improvisierten Lösungen umzugehen: Kabelbinder statt Ersatzteil, Nachtarbeit statt Schlaf und immer der feste Glaube, dass es «morgen schon irgendwie passen wird». Diese Zeit formte Mathias Schläppis Stil – pragmatisch, leidenschaftlich und mit einem feinen Gespür dafür, was ein Fahrzeug braucht.

69 Slaloms, 25 Bergrennen, 198 Rundstreckenrennen sowie sieben 24-Stunden-Rennen schmücken Schläppis Palmarès. Doch wer den ehrgeizigen Meiringer kennt, weiss, dass das für ihn noch lange nicht das Ende der (Motorsport-)-Fahnenstange ist. Doch wer ist dieser Allrounder?

Quereinsteiger

Statt über den Kartsport wird Schläppi über einen ungewöhnlichen Weg vom Motorsportvirus infiziert. «Mir fehlten dafür die finanziellen Mittel. Stattdessen habe ich mit meinem Vater und meinem Onkel Bergrennen besucht», erinnert sich Schläppi. «Darüber hinaus schraubte ich am Kart eines Bekannten. Und mit der Ausbildung zum Automechaniker sowie dem Job beim DTC vertiefte ich meine technische Basis.»

1997 gibt er mit einem Peugeot 309 GTI sein Motorsportdebüt. Zwölf Slaloms und Bergslaloms warten auf ihn. Erstmals schnuppert er Siegerluft, steht dreimal zuoberst auf dem Podest und holt sich Rang 3 im Firestone Firehawk Cup. Die zweite ­Slalom-Saison beendet er bereits mit 18 Podestplätzen.

Aus den Anfängen: 1997 fährt Mathias Schläppi mit seinem Peugeot 309 GTI erste Podiumsplätze ein.
Aus den Anfängen: 1997 fährt Mathias Schläppi mit seinem Peugeot 309 GTI erste Podiumsplätze ein.

Traum erfüllt

Doch er will mehr und unternimmt erste Gehversuche in anderen Motorsportdisziplinen. Über die Bergrennen bis hin zu internationalen Rund- und Langstreckenrennen lernt er alle Facetten des Rennsports kennen. «Mein Vorsatz war von jeher, nicht in grossen Schritten, sondern ‹step by step› meine Erfahrungen zu machen», sagt der Meiringer.

Schnell wird die Rennszene auf ihn aufmerksam. Auch andere Motorsportler wollen von seinem Know-how profitieren. Schläppi soll deren «Arbeitsgeräte» optimieren. 2000 gründet er das Schläppi Racing Team und amtet künftig als Fahrer, Instruktor und Teamchef. Immer bereit, sein Wissen auch an junge Piloten weiterzugeben. Bis 2004 heimsen er und seine Teammitglieder mehrere Meister- und Vizemeistertitel in der Renault Clio Speed Trophy Suisse sowie dem Renault Clio Cup Deutschland ein.

2005 startet Schläppi so richtig durch. «Mit dem Start in der ADAC Procar-Serie ging für mich ein Traum in Erfüllung. Dass ich schon im ersten Jahr mit einem MG ZS Meister wurde, war eines, wenn nicht sogar das Highlight meiner Karriere.» Und nachdem er 2006 Vizemeister wird – diesmal auf einem Toyota Corolla –, packt er die Chance beim Schopf und macht aus seinem Hobby einen Beruf. Zusammen mit seiner damaligen Partnerin und heutigen Ehefrau Sandra gründet der zweifache Familienvater die Schläppi Race-Tec GmbH. Schläppi: «Die Firmengründung ist aus meinen vielen Motorsportaktivitäten heraus entstanden. Die Fähigkeiten, die ich mir im Rennsport angeeignet habe, kann ich auch im Geschäftlichen sehr gut anwenden. So schliesst sich der Kreis wieder.»

Gleich in seinem ersten Jahr in der ADAC Procar Serie holt er sich 2005 mit seinem MG SZ den Meistertitel.
Gleich in seinem ersten Jahr in der ADAC Procar Serie holt er sich 2005 mit seinem MG SZ den Meistertitel.
Von 2000 bis 2004 heimst er mehrere Meister- und Vizemeistertitel in der Renault Clio Speed Trophy Suisse sowie beim Renault Clio Cup Deutschland ein.
Von 2000 bis 2004 heimst er mehrere Meister- und Vizemeistertitel in der Renault Clio Speed Trophy Suisse sowie beim Renault Clio Cup Deutschland ein.

Starkes Team

Doch wie bringt man das alles unter einen Hut? «Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine ganz starke Frau», sagt Schläppi. «Sandra hält mir organisatorisch den Rücken frei, fängt Rückschläge auf und schafft die Basis, um Projekte konsequent umzusetzen – auch in schwierigen Phasen.»

Und das ist 2005 am Ende der erfolgreichen Saison in der ADAC Procar-Serie nötig. «Seinerzeit ist beim Schweizer Team, für das ich startete, punkto Kommunikation einiges schiefgelaufen, sodass ich zum ersten Mal Angst um meine finanziellen Mittel hatte», weiss Schläppi. «Obwohl man bereits vor dem MG-Projekt schon zweimal Insolvenz angemeldet hatte, rührte man alles mit der grossen Kelle an und war genauso schnell wieder von der Bildfläche verschwunden.»

Woran sich Schläppi gern zurückerinnert, sind die Projekte, die er mit dem deutschen Rennstall Scherer Sport durchziehen durfte. «Dass, was da abging, war an Professionalität kaum zu übertreffen. Wir sind wie Werkspiloten behandelt worden und errangen 2022 und 2023 mit dem Audi RS 3 LMS und Cupra Leon Competición die Klassensiege in der TCR-Klasse bei den Langstreckenrennen am Nürburgring.»

Zeichen gesetzt: Erstmals verpasste der Meiringer seinem Hyundai i30 TCR beim Bergrennen in  Ayent-Anzére synthetisches Benzin und siegt mit  grünen Startnummern und neuem TCR-Rekord.
Zeichen gesetzt: Erstmals verpasste der Meiringer seinem Hyundai i30 TCR beim Bergrennen in Ayent-Anzére synthetisches Benzin und siegt mit grünen Startnummern und neuem TCR-Rekord.

Auf zu neuen Ufern

Mit dem Rallyesport hat der begeisterte Skifahrer seit 2024 eine neue Herausforderung gefunden. Im deutschen RAVENOL DMSB-Rallye-Cup DRC überzeugt er mit ersten Podestplätzen. «Ich musste lernen, mich zurückzunehmen und nicht wie in den letzten 30 Jahren immer Vollgas zu geben», zieht Schläppi Bilanz. «Du musst schon mehr mit Verstand fahren und auf den Punkt abliefern. Hinzu kommt, dass du plötzlich nach Aufschrieb fährst und dich auf die Ansagen deines Co-Piloten hundertprozentig verlassen musst.»

Ein Lernprozess, der 2025 erste Früchte trägt und mit Platz 3 in der Gesamtwertung belohnt wird. Lange Zeit sind Mathias Schläppi und sein Co-Pilot Dominique Juple auf Titelkurs und müssen erst beim Saisonfinale der Konkurrenz den Vortritt lassen. «Wegen eines Rundenfehlers sowie aufgrund einer verkehrten Einstufung in der Klasse verloren wir wichtige Meisterschaftspunkte», bilanziert Schläppi.

Doch Schläppi wäre nicht Schläppi, wenn er 2026 nicht versuchen würde, die offenen Rechnungen im Deutschen Rallye Cup DRC zu begleichen. «Wir werden in den nächsten Wochen die Details ausarbeiten und hoffen natürlich auf den einen oder anderen, der uns unterstützt. Einen Teil dazu sollen die Fan-Pakete beitragen, welche die Fans und Gönner erwerben können.» Vielleicht klappt es ja dann mit dem ersten Rallye-Titel seiner Karriere.

Lange Zeit auf Meisterkurs: Am Ende belegen Schläppi (rechts) und Dominique Juple Platz 3 in der Gesamtwertung des Deutschen Rallye Cup DRC.
Lange Zeit auf Meisterkurs: Am Ende belegen Schläppi (rechts) und Dominique Juple Platz 3 in der Gesamtwertung des Deutschen Rallye Cup DRC.

Text Jörg Petersen / Bilder zVg

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