ACS kritisiert ideologische Verkürzung der SP

11.03.2026

Unfallstatistik ist kein Argument für flächendeckendes Tempo 30 – ACS kritisiert ideologische Verkürzung der SP

Der Automobil Club der Schweiz (ACS), Sektion Zürich, freut sich, dass laut der aktuellen Unfallstatistik die Zahl der Verkehrstoten in der Stadt Zürich im langjährigen Durchschnitt leicht zurückgeht. Gleichzeitig bedauert der ACS, dass es weiterhin zahlreiche Schwerverletzte auf den Zürcher Strassen gibt. 

Die SP Stadt Zürich nutzt die Veröffentlichung der Verkehrsunfallstatistik 2025 jedoch für eine ideologisch zugespitzte Interpretation. Mit der Schlagzeile, auf Tempo-50-Strassen gebe es «überproportional viel Schwerverletzte», wird ein direkter ursächlicher Zusammenhang zwischen Tempolimit und Unfallfolgen suggeriert. Eine unvoreingenommene Analyse der Statistik zeigt jedoch: Diese Verkürzung blendet zentrale Unfallursachen aus.

Selbstunfälle – besonders bei E-Trottinetts

Die Verkehrsunfallstatistik 2025 weist insgesamt 196 Schwerverletzte aus. Auffällig ist, dass der grösste Anteil davon – 78 Personen – bei sogenannten Schleuder- oder Selbstunfällen verunfallt ist.

Besonders deutlich zeigt sich dieses Muster bei neuen Mobilitätsformen: Bei E-Trottinett-Unfällen handelt es sich gemäss Statistik in rund 60 Prozent der Fälle um Stürze ohne Einwirkung Dritter. Solche Unfälle entstehen häufig durch Fahrfehler, mangelnde Fahrpraxis, Alkoholeinfluss oder Ablenkung. Ein Sturz mit einem E-Bike oder E-Trottinett bei rund 20 km/h kann auch in einer Tempo-30-Zone zu schweren Verletzungen führen.

Hauptachsen tragen den meisten Verkehr

Tempo-50-Strassen sind in Zürich überwiegend Hauptverkehrsachsen. Auf ihnen konzentrieren sich grosse Verkehrsströme: motorisierter Individualverkehr, öffentlicher Verkehr, Lieferverkehr und teilweise auch Veloverkehr.

Automobil Club der Schweiz ACS Sektion Zürich Forchstrasse 95 CH-8032 Zürich Telefon +41 44 387 75 00 info@acszh.ch acszh.ch Dass auf ruhigen Quartierstrassen mit Tempo 30 weniger Unfälle passieren als auf stark befahrenen Hauptstrassen, überrascht nicht – denn der Verkehr konzentriert sich auf die Hauptachsen. Entscheidend ist daher, die Unfälle zur Verkehrsmenge ins Verhältnis zu setzen, also zur Zahl der gefahrenen Kilometer und zum Gesamtverkehrsaufkommen. Erst dann lässt sich beurteilen, ob diese Strassen tatsächlich gefährlicher sind. Diese entscheidenden Vergleichsdaten fehlen jedoch in der Statistik.

Auch die Unfallursachen zeigen ein differenziertes Bild. Die Statistik weist eine hohe Zahl von Schwerverletzten bei Abbiege- und Einbiegeunfällen aus – insgesamt 40 Personen. Solche Unfälle entstehen häufig an komplexen oder unübersichtlichen Kreuzungen und deuten eher auf infrastrukturelle Probleme oder Sichtverhältnisse hin als auf die Grundgeschwindigkeit auf der Strecke.

Verkehrssicherheit braucht Ursachenanalyse


«Wer Verkehrssicherheit ernsthaft verbessern will, muss die tatsächlichen Ursachen von Unfällen analysieren», sagt Ruth Enzler, Präsidentin des ACS Zürich. «Die Unfallstatistik lässt sich nicht auf die einfache Formel ‹Tempo 50 gleich mehr Schwerverletzte› reduzieren.» 

Aus Sicht des ACS führt es in die Irre, Verkehrssicherheitspolitik über eine pauschale – und ideologische – Tempo-30-Forderung zu betreiben. Stattdessen braucht es einen breiteren Ansatz, etwa eine bessere Gestaltung von Kreuzungen, eine klarere Trennung der Verkehrsarten sowie Prävention bei neuen Mobilitätsformen.

Kontakt und weitere Informationen

Automobil Club der Schweiz (ACS), Sektion Zürich
Forchstrasse 95, 8032 Zürich
Tel.: +41 44 387 75 00
E-Mail: info@acszh.ch
Web: www.acszh.ch

Dr. Ruth Enzler
Präsidentin
Automobil Club der Schweiz (ACS), Sektion Zürich
079 405 17 37

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