10.04.2026
Nach fast zehn Jahren als Generalsekretär des ACS Schweiz wird Fabien Produit die Zentralverwaltung unseres Clubs per Ende April 2026 verlassen, um bei unserem Partnerverband, der ASTAG, eine neue Herausforderung in Angriff zu nehmen. Zu seinem Abschied möchten wir mit ihm sein Jahrzehnt an der operativen Spitze des ACS Revue passieren lassen.
Fabien Produit, im Januar 2017 traten Sie Ihr Amt als Generalsekretär des ACS an. Wie blicken Sie auf diesen Moment zurück?
Als ich mein Amt antrat, stand der ACS als historische Institution dem tiefgreifenden Wandel in der Mobilität gegenüber und sah sich gleichzeitig mit wirtschaftlichen Herausforderungen konfrontiert. Es galt gleichzeitig unser Erbe – die Vertretung der Interessen der Automobilistinnen und Automobilisten sowie die Leidenschaft für das Automobil – zu bewahren und gleichzeitig den Club an neue Nutzungsgewohnheiten, gesellschaftliche Erwartungen und wirtschaftliche Realitäten anzupassen.
Genau, was waren die Schwerpunkte Ihrer Strategie in dieser Zeit?
Wir haben uns auf fünf Säulen konzentriert, welche die DNA des Clubs ausmachen: Verkehrssicherheit, Mobilitätsdienste, Reisen, Motorsport & Oldtimer und natürlich Verkehrspolitik. Die Idee war einfach: den ACS nicht nur zu einem Club für Enthusiasten zu machen, sondern auch zu einem glaubwürdigen Akteur in der öffentlichen Debatte. Daraus entstand übrigens auch der neue Slogan des Clubs: „automobile Leidenschaft“. Wir haben zudem unsere Präsenz in den nationalen Institutionen im Bereich Mobilität verstärkt, um eine ausgewogene Vision für den Strassenverkehr in der Schweiz zu vertreten.
Das Auto steht heute öfters in der Kritik. Wie hat sich der ACS unter Ihrer Leitung dazu positioniert?
Zusammen mit dem Direktionskomitee des ACS haben wir stets einen differenzierten Ansatz vertreten. Das Auto bleibt ein Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit, aber es muss sich weiterentwickeln. Es geht nicht darum, die ökologischen Herausforderungen zu leugnen, sondern pragmatische Lösungen zu finden, anstatt die verschiedenen Verkehrsmittel gegeneinander auszuspielen. Die Herausforderung besteht darin, individuelle Mobilität und Nachhaltigkeit in Einklang zu bringen.
Ist die Rolle eines Clubs wie der ACS im digitalen Zeitalter noch relevant?
Mehr denn je. Man hätte meinen können, dass virtuelle Gemeinschaften die Clubs ersetzen würden, aber das Gegenteil ist der Fall: Die Menschen suchen nach realen Erlebnissen, nach zwischenmenschlichen Beziehungen und nach Gemeinschaft. Unsere Veranstaltungen, unsere Fahrtrainings oder unsere Autoreisen sind meistens ausgebucht. Ein Club ist nicht nur eine Dienstleistung: Er vermittelt ein Gefühl der Zugehörigkeit. Es ist schön zu sehen, wie neue Generationen beispielsweise in die Oldtimer- und Youngtimer-Szene einsteigen.
Sie haben sich auch für den Motorsport engagiert. Warum dieses Engagement?
Der Motorsport ist Teil der DNA des ACS. Historisch gesehen waren wir sogar der Dachverband in der Schweiz. Abgesehen von der Leidenschaft (Anm. d. Red.: die Fabien Produit auch als Rallye-Beifahrer teilt) ist er seit jeher ein Testfeld für Sicherheit und Innovation. Wir wollten diesen Bereich verstärken, insbesondere durch Partnerschaften und Veranstaltungen wie die Schweizer Rallye- und Slalom-Meisterschaften oder Ausflüge auf die Rennstrecke. Wenn man das Publikum aller Altersgruppen am Strassenrand sieht, wird die Bedeutung dieses Engagement erst richtig sichtbar.
Was war zwischen 2017 und 2026 Ihre grösste Herausforderung?
Der Eintritt in das Zeitalter der Digitalisierung, der Automatisierung und des E-Commerce (Online-Verkauf) stellt für den Club ein existenzielles Projekt dar. Der Weg ist noch lang, aber dieses Projekt trägt bereits Früchte, sei es im Bereich der Servicequalität für unsere Mitglieder oder beim besseren Vertrieb unserer Mitgliedschaften in der Schweiz.
Und worauf sind Sie besonders stolz?
Darauf, dass es mir gelungen ist, gemeinsam mit einem fantastischen und starken Team in der Zentralverwaltung, aber auch mit den Teams der Sektionen, dem Direktionskomitee und nicht zuletzt den treuen Partnern, das Image und die Struktur des Clubs zu modernisieren, ohne dabei seine Werte aus den Augen zu verlieren. Der ACS ist nach wie vor eine wichtige Stimme in der Schweiz, aber auch eine lebendige, generationenübergreifende Gemeinschaft.
Wie sehen Sie die Zukunft des ACS?
Die Zukunft wird von einer vielfältigen Mobilität geprägt sein: elektrisch, hybrid, automatisiert, aber immer noch emotional. Solange es eine Leidenschaft für das Automobil und ein Bedürfnis nach Freiheit gibt, wird der ACS eine Rolle zu spielen haben. Der Club hat eine klare Positionierung, ein sehr hohes Kompetenzniveau, sicherlich einen der besten Pannendienste der Schweiz und eine solide finanzielle Basis. Die Zukunft wird nicht einfach werden, aber die Voraussetzungen sind gegeben, um ihr mit Zuversicht entgegenzusehen.
Ein letztes Wort?
Ich möchte mich bei Thomas Hurter, dem ehemaligen Zentralpräsidenten bedanken, der mir 2017 sein Vertrauen geschenkt und mich eingestellt hat, sowie beim neuen Zentralpräsidenten Simone Gianini für die Unterstützung, die er mir entgegengebracht hat. Ich werde auch jeden einzelnen Austausch mit unseren engagierten Mitgliedern in guter Erinnerung behalten, sei es bei Sportveranstaltungen, rund um legendäre Autos oder einfach am Telefon.
Viel Erfolg für meinen Nachfolger und die Teams des ACS.