Am Limit des Möglichen: Zusammenspiel in Perfektion

26.10.2020

Der heutige Rennsport scheint geprägt von Technik und Innovation. Der entscheidende Faktor Mensch, sowie das Zusammenspiel von einzelnen Komponenten, wird jedoch oft zum Zünglein an der Waage, wenn es um Leistungen an der Weltspitze geht.

Tom Lüthi: «Auf der Rennstrecke bewegen wir uns nicht selten an der Grenze der Möglichkeiten von Mensch und Technik. Die kleinsten Veränderungen können einen auf dem Niveau der Weltspitze genau diese Sekundenbruchteile kosten, die über Sieg und Niederlage entscheiden. Die grösste Herausforderung, nicht nur für uns als Rennfahrer, sondern für das gesamte Team sind jedoch nicht einmal die einzelnen Komponenten. Die neuste, beste Technik kann man kaufen, sofern die Mittel dazu vorhanden sind. Daten kann man Analysieren, Ingenieure und Techniker können ihr bestes Knowhow einbringen, die körperliche Fitness kann fast bis zur perfekten Verfassung trainiert werden.

Und dennoch gibt es Momente, in denen man das, was man auf dem Motorrad spürt und erlebt, nicht versteht. Die grösste Herausforderung erlebt man als Team dann, wenn die einzelnen Faktoren, die eigentlich für sich alleine alle optimal zu sein scheinen, nicht zusammenspielen und man den Grund für das, was auf der Strecke passiert, nicht einordnen kann. Dies gilt genauso auch in Erfolgsmomenten: wenn man nicht nachvollziehen kann, warum der Grip sich plötzlich positiv verändert und warum das Motorrad sich plötzlich so verhält, wie man es in etlichen Trainings zuvor angestrebt hat, wird es beinahe unmöglich, dies in anderen, schwierigen Situationen zu replizieren. Das schwierigste an der Arbeit auf der Rennstrecke ist also das Zusammenspiel der einzelnen Erfolgsfaktoren und das Erkennen richtigen Veränderungen, um diese Faktoren zu optimieren.

Dieses Spiel geht aber noch weiter: als Fahrer verlässt man sich bei extremen Geschwindigkeiten zu hundert Prozent auf das Motorrad. Für uns ist es normal, mit 280 km/h auf eine Kurve zuzufahren. Wenn ich in diesem Moment nicht einschätzen kann, wie sich meine Maschine beim anbremsen verhält, sinkt das Vertrauen in die Technik und ich gehe automatisch nicht komplett ans Limit – hier kommt eben der mentale Faktor ins Spiel, den man nicht ausser Acht lassen darf. In diesen Momenten verliert man die entscheidenden Sekundenbruchteile.

Das Fazit der Geschichte: wenn die einzelnen Faktoren in der Theorie optimal sind, das Zusammenspiel jedoch nicht funktioniert und man die Gründe dafür nicht einordnen kann, dann kommt irgendwann der Moment, in dem man eben etwas an den Faktoren und den Umständen ändern muss. Manchmal sind es Details – und manchmal kann das eben auch ein kompletter Teamwechsel sein. Denn eines wollen wir alle, ob Fahrer, Teams oder Techniker: wir wollen am Ende eines Rennens als erste über die Ziellinie fahren.»

Ihr Tom Lüthi, ACS Botschafter

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