Synfuels mit grossem Potenzial

Um die ambitiösen Klimaziele zu erreichen, werden parallel zur Elektrifizierung der Autoantriebe auch synthetische Treibstoffe für Verbrennungsmotoren notwendig sein. Die Hotz Racing AG hat gezeigt, dass mit Synfuels sowohl in Renn- als auch in Grossserienmotoren beträchtliche CO 2 -Reduktionen möglich sind.

Bei Testfahrten in Sennwald (von links): Benjamin und Markus Hotz, Neel Jani
Bei Testfahrten in Sennwald (von links): Benjamin und Markus Hotz, Neel Jani

Schon seit mehreren Jahren kommen in der Automobilproduktion neue biobasierte Materialien als Verkleidungs-, Veredelungs- oder Akustik- und Wärmeschutzkomponenten im Innenraum zum Einsatz. Biogene Rohstoffe, also land- und forstwirtschaftliche Rohstoffe pflanzlicher Herkunft und Rohstoffe tierischen Ursprungs, haben sich dagegen als Basismaterial für die Treibstoffherstellung bisher noch nicht durchsetzen können. Sowohl HVO, hydrierte Pflanzenöle, als auch E85, Treibstoff aus 85 Prozent Bioethanol und 15 Prozent 95-ROZ-Benzin, und Bioerdgas aus vergärten Bioabfällen und pflanzlichen oder tierischen Reststoffen sind bisher an den Tankstellen nicht über ein Mauerblümchendasein hinausgekommen.

Dabei hätten synthetische Treibstoffe ganz unterschiedlicher Art ein riesiges Potenzial für die Defossilisierung der Fahrzeugantriebe. Einerseits könnten sie Transportmittel wie schwere Nutzfahrzeuge, Schiffe oder Flugzeuge mobil erhalten, die nicht mit tonnenschweren Batterien ausgestattet werden können, andererseits könnte der riesige noch vorhandene Bestand an Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor in kurzer Zeit CO 2 -arm betrieben werden. Schliesslich werden diese Fahrzeuge noch jahrzehntelang über unsere Strassen rollen.

Nicht zuletzt auch bei Oldtimer-Liebhabern und Rennsport-Fans sind Synfuels besonders willkommen, denn da wie dort stellt der Umstieg von thermischen auf elektrische Antriebsaggregate nämlich keine gleichwertige Alternative dar.

LMP3 von Autobau mit dem Nissan-V8-Motor
LMP3 von Autobau mit dem Nissan-V8-Motor

Synfuels für schnelle Bergfahrt

Beim Bergrennen von Oberhallau SH vom letzten August-Wochenende sollte ein neuer, auf Biobasis synthetisch hergestellter Treibstoff beweisen, dass sowohl Rennaggregate als auch ganz normale Personenwagenmotoren mit ihm betrieben werden können und dass dabei nur sehr geringe CO 2 - und Schadstoffemissionen generiert würden.

Die treibenden Kräfte hinter diesem Synfuel-Projekt und den Demofahrten auf der Bergpiste sind Markus Hotz, Ex-Rennfahrer und Gründer der Horag Hotz Racing AG in Sulgen TG, Fredy Lienhard, Unternehmer und Gründer der Erlebniswelt Autobau in Romanshorn, sowie der PS-Tausendsassa mit weltweitem Renommee Mario Illien, langjähriger Motorenentwickler für die Formel 1 und viele andere Rennserien und Gründer der Ilmor Engineering mit Sitzen in England und in Michigan, USA. Nicht minder bekannt sind auch die beiden Schweizer Rennfahrer Neel Jani und Marcel Fässler, die im schaffhausischen Hallau zu Demonstrationszwecken ins Lenkrad griffen.

Als Mittel zum Zweck dienten zwei LMP3-Endurance-Prototypen mit 5-Liter-Nissan-V8 und Ford-V6 sowie ein Sportprototyp mit dem 1,6-l-Turbobenziner des Peugeot 308. Das Horag-Team betankte diese Autos mit synthetischem Treibstoff aus Bioabfällen, mit dem sich die Motoren laut Hotz zu rund 80 Prozent CO 2 -neutral betreiben lassen. Für die Renn-Gala in Oberhallau haben Hotz und Ilien 800 Liter des neuen 98-ROZ-Ottotreibstoffs Eco 100 Pro vom englisch-deutschen Unternehmen P1Fuels herstellen lassen. Das aus vollständig fossilfreien Basisstoffen wie Abfällen aus Landwirtschaft und Kommunen hergestellte Benzin wurde bei Ilmor Engineering in Brixworth/England in Prüfstandläufen getestet und für erstaunlich gut befunden.

Gespräch vor der ersten Bergfahrt (von links): Paul Gutjahr, Thomas Hurter, Mario Illien, Hannes Germann und Markus Hotz
Gespräch vor der ersten Bergfahrt (von links): Paul Gutjahr, Thomas Hurter, Mario Illien, Hannes Germann und Markus Hotz

Ethanol zu e-Benzin verarbeitet

Der Produktionsprozess erfolgt nach dem Prinzip Ethanol-to-Gasoline. Grundsätzlich lassen sich Synfuels entweder mit Biotreibstoffen der zweiten Generation oder aber in sonnenreichen Regionen im grossen Stil mit nachhaltigem Elektrolyse-Wasserstoff und CO 2 aus der Luft oder aus Industrieanlagen herstellen. Auf beiden Wegen erfolgt die Herstellung von einsatzfähigem Treibstoff über die Methanisierung oder via Fischer-Tropsch-Verfahren.

Die Empa hat den biosynthetischen Treibstoff, mit dem die Autobau- und Horag-Autos beim Bergrennen unterwegs waren, mit eigenen Analysen von fossilen Benzinqualitäten verglichen und analysiert. Der Vergleich ergab laut Christian Bach, Abteilungsleiter Fahrzeugantriebssysteme bei der Empa in Dübendorf, dass die Anteile verschiedener Ether erwartungsgemäss deutlich höher liegen als bei fossilem Benzin. Die Dichte dagegen ist ähnlich wie jene von fossilem Benzin. «Es handelt sich aber tatsächlich um ein praktisch fossilfreies Benzin, das mit Ausnahme des Sauerstoffgehalts die Norm EN288 für Ottotreibstoffe einhält.»

Um dem Thema synthetische Treibstoffe auch in der Gesellschaft und in den Reihen der Politiker zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen, luden die Promotoren anlässlich des Oberhallauer Bergrennens gleich mehrere Parlamentarier ein. So schnupperten nicht nur Nationalrat Thomas Hurter und Ständerat Hannes Germann, sondern auch Sanija Ameti von der Parteileitung der GLP Zürich in den Boxen Rennluft.

Gruppenbild mit Politprominenz (von links): alt Nationalrat Peter Weigelt, Ständerat Jakob Stark, Ständerat Hannes Germann, Nationalrat und ACS-Zentralpräsident Thomas Hurter. Im Hintergrund Andreas Michel, der Präsident der nationalen Sportkommission
Gruppenbild mit Politprominenz (von links): alt Nationalrat Peter Weigelt, Ständerat Jakob Stark, Ständerat Hannes Germann, Nationalrat und ACS-Zentralpräsident Thomas Hurter. Im Hintergrund Andreas Michel, der Präsident der nationalen Sportkommission
Neel Jani mit Sanija Ameti vor der Taxifahrt im Autobau-LMP3 auf der Bergstrecke
Neel Jani mit Sanija Ameti vor der Taxifahrt im Autobau-LMP3 auf der Bergstrecke
Marcel Fässler prüft den neuen Treibstoff auf seine Art
Marcel Fässler prüft den neuen Treibstoff auf seine Art

Technologieoffenheit

Wichtig ist für Hotz und seine Partner aber auch, dass man sich mit dem Synfuel-Auftritt nicht gegen Batterie-Elektroautos aussprechen will, sondern dass man sich vor allem für Technologieoffenheit einsetzen möchte. Während für den Alltagseinsatz im Pendlerfahrzeug die Elektromobilität durchaus sinnvoll ist, sollte der Weg aber frei bleiben für alternative Techniklösungen. Wie derzeit zahlreiche Projekte weltweit beweisen, bergen synthetisch hergestellte Treibstoffe ein grosses Potenzial für die Verringerung der Treibhausgasemissionen verschiedenster Verkehrsmittel.

Text: Stephan Hauri
Bilder: David J. Hotz

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