Fahrbericht BMW M3 CS Touring

Eine neue Ikone ist geboren

Der M3 Touring war bereits ein Massstab unter den sportlichen Kombis. Mit der CS-Kur wird er noch präziser und intensiver, dank einer radikalen Feinabstimmung, die seine fahrdynamischen Qualitäten weiter hervorhebt und ihn nahezu einzigartig macht.

Bedeutung der CS-Modelle und Fahrgefühl

Die Bezeichnung „CS“ ist kein blosses Marketing. Das wurde mir erstmals im „fernen“ Jahr 2020 bewusst, als ich den ersten M2 CS fuhr und erkannte, wie gross der charakterliche Unterschied zu einem „normalen“ M2 sein kann. Die Bestätigung kam ein Jahr später mit dem M5 CS: eine fast fünf Meter lange Limousine mit rund 1.900 kg, die auf kurvigen Strecken überraschend mitreissend war. Da verstand ich, dass dieses Kürzel etwas wirklich Aussergewöhnliches bedeutet – weniger Zahlen, mehr Gefühl am Lenkrad. In den folgenden Jahren hat die BMW M GmbH immer wieder bewiesen, dass diese fast schon magische Bezeichnung Modelle, die bereits hervorragend sind, noch präziser, schärfer und emotionaler macht. Es geht nicht um konzeptionelle Revolutionen, sondern um eine leidenschaftliche und methodische Feinabstimmung von Fahrwerk, Lenkung, Federung und Traktionsmanagement–Massnahmen, die zusammen die Wahrnehmung hinter dem Steuer deutlich verändern.

Motor, Leistung und technische Änderungen im Überblick

Bereits in der „Standard“-Version ist der BMW M3 Touring ein gelungenes und lange erwartetes Modell: der erste M3 Kombi überhaupt, der Alltagstauglichkeit und Performance vereint. Mit der CS-Version geht das Projekt jedoch noch einen Schritt weiter. Die Übernahme technischer Lösungen aus den CS-Versionen der M3 Limousine und des M4 ist nahezu einzigartig: ein Kombi mit einer Abstimmung, die sonst Coupés für den Einsatz auf der Rennstrecke vorbehalten ist. Doch der Reihe nach.

Der 3,0-Liter-Reihensechszylinder mit Biturbo leistet 550 PS und 650 Nm – 40 PS mehr als der M3 Competition Touring. Gleichzeitig wurde das Gewicht um rund 15 kg reduziert. Zahlen, die im Verhältnis nicht entscheidend sind und gegenüber der umfassenden Überarbeitung der Fahrdynamik in den Hintergrund treten. Die Karosserie wurde zusätzlich versteift, Fahrwerk und Kinematik neu abgestimmt – mit aggressiveren Einstellungen und Geometrien. Härtere Zusatzfedern, verstärkte Stabilisatorenlager, spezifische Motorlager sowie eine eigene Abstimmung von Lenkung und M xDrive-Allradantrieb runden das Paket ab.

Fahrverhalten, Reifenwahl und Alltagstauglichkeit

Am Steuer werden diese Änderungen sofort spürbar. Die Lenkung ist sehr direkt und liefert noch klarere Rückmeldungen über Fahrbahn, Grip und Vorderachse, die beim Einlenken besonders präzise arbeitet. Die Balance ist eine grosse Stärke: Die nahezu perfekte 50:50-Gewichtsverteilung sorgt für ein neutrales Fahrverhalten, das sofort Vertrauen schafft. In schnellen Richtungswechseln wirkt die Karosserie kompakt, die Lastwechsel sind gut kontrolliert. Die 1.850 kg sind unvermeidlich und bei starker Belastung – vor allem auf der Rennstrecke – spürt man eine gewisse Trägheit beim harten Bremsen, insbesondere bei kurven Eingänge. Hier wirkt der Touring minimal weniger agil als die M3 CS Limousine. Dennoch zeigt sich die Carbon-Keramik-Bremsanlage auch unter Dauerbelastung äusserst standfest.

Der Reihensechszylinder überzeugt mit kraftvollem Mitteldrehmoment und einer linearen, energischen Leistungsentfaltung bis in den roten Bereich, perfekt unterstützt vom schnellen und gut abgestimmten 8-Gang-Automatikgetriebe.

Beim Herausbeschleunigen aus Kurven erlaubt die heckbetonte Auslegung im 4WD-Sport-Modus eine feine Dosierung mit dem Gaspedal: Das Heck kann leicht ausbrechen, bleibt aber stets kontrollierbar. Wer möchte, kann auch auf reinen Hinterradantrieb wechseln – für noch mehr Fahrspass.

Die Dynamik hängt stark von den Reifen ab. Michelin Pilot Sport 4S sind ideal für den Alltag und bei Nässe. Die semislicks Pilot Sport Cup 2 bieten mehr Performance für sportlichen Einsatz, sind aber bei Regen weniger geeignet. Optional gibt es sogar die extremen Cup 2 R mit spezieller Homologation. Mit ihnen steigt der Grip deutlich, die aggressive Fahrwerksabstimmung kommt voll zur Geltung – mit höherer Kurvengeschwindigkeit und stärkerer Verzögerung. So wird der Touring überraschend effektiv auf der Rennstrecke – fast wie ein Tourenwagen.

Im Alltag erfordert die CS-Version jedoch Kompromisse: straffere Federung, kein mittleres Armlehnenfach, weniger Assistenzsysteme und ein Verbrauch von rund 11 l/100 km. Eines bleibt aber erhalten: die praktische Karosserie des Touring. Und die Gewissheit, dass dieses Auto schon jetzt das Zeug zur Ikone unter den sportlichen Kombis hat – eine, über die man wohl noch Jahrzehnte sprechen wird.

Text Benjiamin Albertalli / Bilder BMW

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