Mit dem Luce
(italienisch für Licht) hat Ferrari sein erstes Elektromodell vorgestellt. Vor allem das Design polarisiert stark und sorgt für Spott und Häme.

Der Ferrari Luce wurde von Sir Jonathan Ive (59) und Marc Newson (62) vom Kreativkollektiv LoveForm entworfen. Somit stammt das Design aus dem kalifornischen San Francisco, wird aber von Ferrari-Designchef Flavio Manzoni verantwortet. Und dem 61-jährigen Sardinier weht eine steife Brise entgegen. Der italienische Lega-Spitzenpolitiker und stellvertretende Ministerpräsident Matteo Salvini (53) drosch verbal auf das erste Elektroauto von Ferrari ein: «Es sieht nach allem aus, nur nicht nach einem Auto des <Cavallino>. Das soll Innovation sein?
Was würde wohl Enzo Ferrari dazu sagen …» Sogar von einer «Zerstörung einer Legende» sprach Ex-Ferrari-Chef Luca di Montezemolo (78) und fügte an, er hoffe, dass sie wenigstens das springende Pferd von diesem Auto entfernen. Im digitalen Raum erntete der Luce grossmehrheitlich eine vernichtende Kritik. Von einem «iPhone oder iPad auf Rädern» sprachen viele. «Ein solches Auto würden nicht einmal die Chinesen kopieren», heisst es weiter. Zwischenzeitlich gab die Ferrari-Aktie an der Börse um bis zu acht Prozent nach.
Die harschen Reaktionen wollte Firmenchef John Elkann (50) so allerdings nicht stehen lassen. Der 50-jährige Aufsichtsratsvorsitzende und Angehörige der Unternehmerfamilie Agnelli spricht von «einem Auto der Zukunft», das unverwechselbar ein Ferrari sei. Elkann zeigte sich überzeugt, dass der Luce aller Kritik zum Trotz zum Erfolgsmodell wird. Er rechnet damit, dass es genügend Käufer für den rund CHF 500'000.– teuren ersten E-Ferrari geben wird. Der Luce bringe, so Elkann, zusammen was Ferrari ist und was Ferrari sein will.


Der 4,95 Meter lange, 1,98 Meter breite und 1,54 Meter flache GT-Crossover beinhaltet mehr als 60 neue Patente und wird von vier Elektromotoren – einem pro Rad – angetrieben. Mit einer Gesamtleistung von 772 kW (1050 PS) und einem Drehmoment von 990 Nm entspricht er immerhin leistungsmässig den Ansprüchen der Ferraristi. Der erste viertürige Fünfsitzer der Marke wiegt leer 2'260 Kilogramm, beschleunigt in beeindruckenden 2,5 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h und erreicht nach weiteren 4,3 Sekunden Tempo 200. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 310 km/h.
Das Antriebskonzept des Fünfsitzers erlaubt unabhängiges Torque Vectoring an allen Rädern, die vorne 23 und hinten 24 Zoll gross sind. Der 5,03 Meter lange Luce verfügt ausserdem über eine unabhängige Hinterachslenkung mit einem Einschlagwinkel von bis zu 2,15 Grad. Der Liftback-Ferrari basiert auf einer 800-Volt-Architektur und verspricht bei einer Batteriekapazität von 122 kWh eine Normreichweite von rund 530 Kilometern. Nachgeladen werden kann mit bis zu 350 kW. Das können deutlich günstigere Konkurrenzfahrzeuge allerdings mindestens ebenso gut.
Für die markentypischen Emotionen soll auch ein ausgeklügeltes Soundsystem sorgen, das vielfältige Parameter erfasst und die jeweilige Fahrsituation akustisch umsetzt. Einen künstlichen V12-Motorensound gibt es also keinen. Die Fahrinformationsanzeige bewegt sich mit dem Lenkrad mit und besteht aus drei Rundinstrumenten, die digitale und mechanische Darstellungen vereinen. Das zentrale Bedienpanel ist ein separates, schwenkbares Element und kombiniert mechanische Bedieneinheiten mit einem digitalen Touchscreen für Klimatisierung und Infotainment. Die Türen öffnen gegenläufig.
Text Markus Rutishauser/aum / Bilder Werk