Seit dem 1. Januar 2021 dürfen Motorräder der 125er-Klasse mit Leistungsbeschränkung auf 35 kW bereits ab 16 Jahre gefahren werden (vorher in der Schweiz ab 18 Jahre). Die Unfallzahlen der 15- bis 17-Jährigen zeigen die besorgniserregende Tatsache einer Verdoppelung der Unfallereignisse mit schwerem Personenschaden innerhalb der letzten vier Jahre. Als Ursache werden in rund 90 % der Unfälle Schleuder- und/oder Selbstunfälle sowie Kollisionen gemeldet. Warum sind die Jugendlichen auf motorisierten Fahrzeugen derart stark gefährdet? Woran liegt es, dass trotz Verkehrsbildung und Sensibilisierung so viele Jugendliche auf dem Motorrad oder Roller in einen Unfall verwickelt sind?

Viele Jugendliche wissen
sehr genau, dass schnelles Fahren, Ablenkung oder riskantes Verhalten im Strassenverkehr
gefährlich ist. Und trotzdem tun sie es. Für Eltern ist das schwer zu verstehen
– und oft mit Ängsten verbunden.
Wichtig ist: Dieses Verhalten ist kein Zeichen von Unwissen oder Gleichgültigkeit.
Es ist eng mit der Entwicklung des jugendlichen Gehirns verbunden.
Das menschliche Gehirn
entwickelt sich nicht gleichmässig. Besonders relevant ist der Frontalkortex,
der für Planung, Impulskontrolle und Risikoabwägung zuständig ist. Dieser
Bereich reift erst im jungen Erwachsenenalter vollständig aus.
Gleichzeitig ist das Belohnungssystem
bei Jugendlichen besonders aktiv. Anerkennung durch Gleichaltrige, Anreize und
unmittelbare Erlebnisse wirken stärker als abstrakte Gefahren oder langfristige
Konsequenzen.
Was das im Alltag bedeutet:
Diese Zusammenhänge sind in der Schweiz gut dokumentiert, unter anderem durch die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) und durch Studien zur Jugend- und Risikokompetenz.

Unfallanalysen zeigen, dass Jugendliche in Gruppen häufiger riskante Entscheidungen treffen als alleine – sei es mit dem Trottinett, auf dem Velo oder Motorrad oder später im Auto.
Die Gründe dafür sind vielfältig. Es geht einerseits um Status und Anerkennung innerhalb einer Gruppe. Gleichzeitig teilen sie die Verantwortung mit den Peers und die Hemmschwelle sinkt, wenn andere zuschauen.

Text: Anita Brechtbühl, Stefanie Gilgen
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