Mobilitätsforum anstatt reiner Automobilsalon

25.02.2020

Vom 5. bis 15. März 2020 wird Genf wieder zum Mekka der Automobilbegeisterten. Bereits zum 90. Mal findet hier der Automobilsalon respektive die GIMS, die Geneva International Motor Show, wie der Grossanlass heute genannt wird, statt. Er ist nach wie vor eine der bedeutendsten Automobilausstellungen weltweit. Jedoch stellt sich die Frage, in welcher Form die GIMS langfristig eine Zukunft hat?

GIMS

Nicht zuletzt wegen des Salons kennen wir Genf als Stadt des Automobils. Genf war einst die Wiege der Autopioniere. Hier wurde nicht nur im Jahre 1905 der Automobilsalon ins Leben gerufen, sondern vor über 120 Jahren auch der ACS gegründet. Ausgerechnet in Genf gibt es seit dem 15. Januar 2020 die erste Umweltvignette in der Schweiz. Wollte die Rhonestadt damit ein weiteres Mal ihren Pioniergeist beweisen? Für die besagte Vignette werden die Fahrzeuge in fünf verschiedene Schadstoffklassen eingeteilt. Wenn Sie also zukünftig durch die Stadt Genf oder ihre Agglomeration fahren möchten, benötigen Sie eine solche Umweltvignette, genannt «Macaron Stick’AIR». Sie kostet fünf Franken und unterscheidet sich je nach Schadstoffklasse des Fahrzeugs farblich sowie bezüglich aufgedruckter Zahl. Wenn die Grenzwerte für Luftschadstoffe überschritten werden, können die entsprechenden Zonen zwischen 06.00 Uhr und 22.00 Uhr nur mit gültiger Vignette befahren werden. Die ACS Sektion Genf und diverse andere Verkehrsverbände, darunter der TCS, der Rekurs eingereicht hat, haben sich als Mitglieder von «RouteGenève» gegen die Einführung dieser Vignette ausgesprochen. Generell ist festzuhalten, dass solche lokalen und regionalen Verkehrsabgaben weder zur Verbesserung der Luftqualität noch des Klimas beitragen. Sie fördern eher den Ausweich- respektive Umwegverkehr. Aus Sicht von uns Automobilisten kann dieser Verkehrsmassnahme also nicht wirklich etwas Pionierhaftes abgewonnen werden.

Kommen wir aber auf unser eigentliches Thema, den Automobilsalon, zurück. Im Sommer des letzten Jahres wurde der langjährige Direktor des Salons, André Hefti, pensioniert. Sein Nachfolger, Olivier Rihs, hatte ambitiöse Pläne für die GIMS. Leider verlässt der neue Direktor nach nur knapp einem Jahr seinen Posten schon wieder. Wer folgen wird, ist noch offen. In seiner sehr kurzen Amtszeit hat Olivier Rihs aber ein paar zukunftsweisende Innovationen angestossen und eingeführt. So findet beispielsweise in diesem Jahr zum ersten Mal der GIMS VIP Day statt. An diesem diskutieren führende Persönlichkeiten aus dem Autound Technologiesektor über diverse Themen, welche die Mobilität von morgen prägen werden. So stehen unter anderem Vorträge und Diskussionen zu den Themen Autonomes Fahren, Elektromobilität und Digitale Transformation in der Autowelt auf dem Programm. Der VIP Day soll gleichzeitig als Netzwerkplattform dienen.

Damit macht der Automobilsalon aus unserer Sicht einen erfolgversprechenden Schritt in die Zukunft. Wir sind davon überzeugt, dass die GIMS langfristig nur überleben kann, wenn sie sich von einer klassischen Ausstellung in ein internationales Mobilitätsforum wandelt; sozusagen zum «WEF der Mobilitätsbranche» wird. Die GIMS sollte zum European Mobility Forum (EMF) oder Swiss Mobility Forum (SWIMF) werden. Eine Plattform, auf der sich Vertreterinnen und Vertreter aus der Technologieforschung, der Automobilindustrie und anverwandten Industrien sowie aus Politik und Verkehrsverbänden etc. zu einem jährlichen Austausch treffen. Gleichzeitig sollten einem breiten Publikum neue Entwicklungen und Errungenschaften im Bereich der Mobilität im Allgemeinen sowie im Fahrzeugbereich im Speziellen vorgestellt und erlebbar gemacht werden. Die neue Mobilitätswelt sollte sowohl live vor Ort als auch virtuell und interaktiv präsentiert werden.

So wie es aussieht, ist der Genfer Automobilsalon in Richtung Zukunft aufgebrochen. Von den Veranstaltern wird aber noch ein hohes Mass an Offenheit für Innovation und sehr viel Arbeit abverlangt werden, bis die GIMS vom reinen Automobilsalon zur führenden Mobilitätsplattform wird.

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