Edy Schütz, Uster Fiat Balilla 508C Berlina trasformabile, 1939, 1100 ccm, 4 Zylinder, 32 PS
Edy Schütz, Uster
Fiat Balilla 508C Berlina trasformabile, 1939, 1100 ccm, 4 Zylinder, 32 PS

«Kleiner Fiat, grosses Projekt»

Vor dem Kauf meines Fiat hatte ich bereits eine Isetta und eine Vespa komplett selber restauriert.

Im Militär lernte ich den Bruder von Bernhard Täschler kennen. Er lenkte meine Aufmerksamkeit auf einen unrestaurierten Fiat Balilla Berlina trasformabile im Besitz seines Bruders. 2008 kaufte ich das Auto und erwarb so einen erstklassigen Restaurierungskandidaten. Alles musste gemacht werden, Mechanik, Karosserie, Intérieur, alles brauchte Zuwendung. 

Das Auto hatte sehr viel Rost. Beim Öffnen der Türe ist der Türanker regelrecht zerbröselt. Den Motor habe ich mich gar nicht erst zu starten getraut, sondern ihn gleich zerlegt. Er brauchte eine Generalüberholung mit neuen Kolben, Lagern, Ventilen und so weiter. Auch das Getriebe wurde von mir revidiert. 

Ein grosses Problem bei diesem Auto war die Ersatzteilbeschaffung. So habe ich zum Beispiel die Türanker selber im 3D CAD modelliert und auf einer 5-Achsen-Fräse selber hergestellt. Einige Teile wurden auch erst nach langer Suche in Italien gefunden. Die Karosserie wurde bei einem Spezialisten in Oberglatt saniert sowie neu lackiert und das Intérieur wurde bei der Autosattlerei Jaggi in Uster restauriert. 

2011 war es dann so weit und ich konnte das Fahrzeug als Veteran vorführen. Beim Vorführen stellte der Experte aber fest, dass hinten nur ein Licht montiert ist. Dies war zur damaligen Zeit in Italien normal, ist heute bei uns aber nicht mehr erlaubt. Das Strassenverkehrsamt wollte mir dann die Auflage machen, das Fahrzeug nicht in Tunneln und nicht bei Nacht fahren zu dürfen. Dies ist natürlich Unsinn und so machte ich mich auf die Suche nach einem zweiten, passenden Rücklicht. In Italien wurde ich fündig und das zweite Licht ist jetzt mit einer Schelle am Tankeinfüllstutzen montiert. Es ist jederzeit demontierbar und so wird die Originalität des Autos nicht kompromittiert. 

Die Berlina fährt sich wie ein typisches Vorkriegsauto. 32 PS aus 1100 Kubik in Verbindung mit dem geringen Gewicht reichen, um problemlos mit dem heutigen Verkehr mitzuschwimmen. 

Das Getriebe ist nicht synchronisiert, das heisst Kenntnisse in Zwischengas sind absolut notwendig.
Eine Ausfahrt mit einem meiner Söhne am Steuer endete in einem mechanischen Desaster. Eine Schraube im Differential hatte sich über die Jahre gelöst und war in den Ölsumpf gefallen. Just auf dieser Fahrt entschloss sich die heimatlose Schraube zu einem kleinen Exkurs zwischen 
die Zähne des Tellerrads, was zu einem Zähnesalat und zu einem sofortigen Totalschaden des Differentials führte. Seither hat mein Sohn ein etwas gespanntes Verhältnis zum Auto. 

Neue Innereien liessen sich schliesslich wieder in Italien finden und seit dieser Reparatur läuft der Fiat ganz gut. Die Geschichte des Wagens ist dokumentiert. Er wurde 1939 neu in Genf verkauft, aber infolge der Kriegswirren erst 1951 zum ersten Mal eingelöst und 1972 vom letzten Besitzer gekauft. 

Da diese Autos noch keine Blinker besassen, sondern sogenannte Winker (der leider auch nicht blinkt), kündige ich Abbiegemanöver nach links immer auch mit Handzeichen an. 

Gefahren wird der Wagen eh relativ selten, die längste Fahrt führte uns von Uster in den Kanton Aargau. Bei mir liegt der grösste Teil der Freude an einem Oldtimer sowieso in dessen Restaurierung. 

Meine Söhne haben verständlicherweise keinen grossen Bezug zu Vorkriegsfahrzeugen. Sie haben mehr Freude an meinen Nachkriegsklassikern. Deshalb könnte ich mir vorstellen, den Fiat dereinst schweren Herzens zu verkaufen.

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