Der Bulli bekommt Konkurrenz

Fahrbericht Hyundai Staria

Hyundai startet einen neuen Versuch, im Markt der leichten Nutzfahrzeuge Fuss zu fassen. Nachdem der Transporter H350 mangels Lieferfähigkeit nicht mehr angeboten wird, kommt jetzt eine kleinere Version unter dem Namen Staria in der Topversion «Vertex» mit allen nur erdenklichen Ausstattungen und Allrad 4WD zum Komplettpreis von CHF 66'500.- auf die Strassen. Sieben Sitze sind an Bord, für Vortrieb sorgt ein 2,2-Liter-Diesel mit 177 PS, der an ein 8-Stufen-Automatikgetriebe gekoppelt ist.

Der 5,25 Meter lange Staria hat zwei Schiebetüren im Fond, beide öffnen elektrisch. Das gilt auch für die Heckklappe. Die Linien sind futuristisch gehalten, grosse Fensterflächen für gute Aussicht, Privacy-Glas und einzelne Relaxsitze, die sich ebenfalls elektrisch verstellen lassen, gehören zur Serienausstattung. Grundsätzlich an Bord sind ausserdem das Navigationssystem, die Bose-Soundanlage mit zwölf Lausprechern und das digitale Cockpit, auf dem Tachometer und Drehzahlmesser quasi analog dargestellt werden. Wer den Blinker setzt, wird von gestochen scharfen Bildern zweier Kameras überrascht, die links und rechts den toten Winkel überwachen und die Informationen auf das Rund der Instrumente projizieren. Der Radfahrer wird es danken.

Wenig Extrakosten  

Die Kommunikation an Bord wird von einem weiteren Kamerasystem und einer Gegensprechanlage unterstützt. Hierüber lassen sich Kinder als Fondpassagiere überwachen oder eine Unterhaltung führen, die in Fahrzeugen dieser Grösse bisweilen schwierig ist, weil man von Störgeräuschen unterbrochen wird. Auch das gehört zur Serienausstattung, nur der Allradantrieb, der das Traktionsverhalten deutlich verbessert, kostet bei der Basisversion «Amplia» (CHF 59'000.-) moderate CHF 2500.- Aufpreis, ist aber sinnvoll wenn das MPV öfter als Shuttle zum Berghotel unterwegs ist. Ansonsten kosten nur noch das Exterieur-Design-Paket (CHF 500.-) und die hochwertigeren Metallic- oder Pearl-Lackierungen (CHF 1100.-) extra.

Viel Lob, wenig Kritik

Der Staria fährt sich in der Stadt, im Überlandverkehr und auf der Autobahn perfekt. Der Motor spricht weich an und bietet mit 430 Newtonmetern Drehmoment reichlich Durchzugskraft. Die Lenkung ist präzise, zielgenau lässt sich der Grossraum-Van durch engste Gasse steuern und macht auch auf der kurvigen Überlandstrasse eine gute Figur. Die Bremsen sprechen mit wohldefiniertem Druckpunkt an und erweisen sich als standfest. Damit fährt der Hyundai mit dem VW Bulli mindestens auf Augenhöhe. Bei allem Lob gibt es aber auch Kritik. So können die Sitzreihen nicht geklappt, sondern nur in Fahrtrichtung verschoben werden. Das schränkt das Kofferraumvolumen deutlich ein. 117 Liter bis 431 Liter Transportvolumen sind eher mässig. Hier dürfte Hyundai nachbessern, wenn weitere Varianten des Staria eingeführt werden.

Ebenfalls frugal ist die Anhängelast. Ob Front oder Allradantrieb, es bleibt stets bei erlaubten 1500 Kilogramm. Korea ist eben kein Anhängerland, der Haken am Heck ist dort eine sehr seltene Erscheinung und war bis vor kurzem überhaupt nicht zulässig. Aber vom Staria ist noch einiges zu erwarten. 2023 soll der Van mit Brennstoffzelle und Wasserstoffbetrieb debütieren. Er wäre dann nach dem Nexo das zweite Serienautomobil von Hyundai mit diesem Antriebssystem. Der Diesel ist unterdessen recht durstig und verlangt im WLTP-Durschnitt 8,5 Liter Treibstoff auf 100 Kilometer.

In Planung ist ausserdem eine Cargo-Variante, die je nach Verfügbarkeit der Basisfahrzeuge Spediteure und Lieferdienste mobil machen soll. Hier wird vermutlich zunächst ein kleinerer Dieselmotor zum Einsatz kommen, eine Elektrifizierung ist ebenfalls nicht ausgeschlossen.

FAZIT

Futuristische Optik, hochwertige Verarbeitung, gut motorisiert - und das ganze Paket zu einem attraktiven Preis. Der Hyundai Staria ist in seinem Segment eine überaus attraktive Alternative zu den deutschen Produkten. 

Text: mru/aum/mk

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