Fahrbericht Kia EV2

Logische Verkleinerung

Weil Europäer kleine SUVs lieben, legt Kia mit dem EV2 extra für sie eines auf. Der Neuling soll fast alles so gut können wie seine grösseren Brüder EV3 und EV4. Manches sogar besser.

Neuling im Segment der B-SUVs: Der vollelektrische Kia EV2 misst in der Länge etwas über vier Meter und orientiert sich designmässig an seinen Markenbrüdern.
Neuling im Segment der B-SUVs: Der vollelektrische Kia EV2 misst in der Länge etwas über vier Meter und orientiert sich designmässig an seinen Markenbrüdern.

Exakt 4,06 Meter ist der Kia EV2 kurz. Kombiniert mit seiner Höhe von 1,57 Metern fährt er mitten rein ins boomende Segment der B-SUVs, das in Europa laufend wächst. Vor allem auf Kosten der gewöhnlichen Kleinwagen, die mehr und mehr aus der Mode kommen. So gesehen trifft Kia den Nerv der Zeit.

Nur bedingt gilt das derzeit für die Antriebstechnik, denn der EV2 ist wie alle EV-Modelle von Kia ein Stromer. Und solche tun sich in Europa ja immer noch schwer. Kia lässt sich davon aber nicht beirren, schliesslich zeigt der Elektrotrend eindeutig nach oben. Und abgesehen davon, dass der EV2 im boomenden Segment der B-SUVs antritt, bietet er auch handfeste Vorzüge.

Bei der Entwicklung des EV2, der in der Slowakei exklusiv für Europa gebaut wird, hat Kia auf vorhandene Technik der grösseren EV-Modelle gesetzt. So nutzt das vorerst kleinste Kia-SUV nicht nur eine zwar verkürzte, aber technisch identische Plattform wie der EV3 und der EV4, sondern auch deren Software. Das zeigt sich unter anderem beim breiten Dreifachbildschirm, der 12,3-Zoll-Instrumentendisplay, 5,3-Zoll-Klimabedienpanel sowie 12,3-Zoll-Infotainment vereint und Over-the-Air-Updates erlaubt – also wie bei den Grossen.

Ebenfalls keine Abstriche müssen in Sachen Fahrassistenten in Kauf genommen werden. So stehen beispielsweise ein Autobahnassistent, Totwinkelmonitor und nicht zuletzt eine Ein- und Ausparkfunktion per Fernbedienung zur Verfügung – je nach gewählter Ausstattungslinie serienmässig oder optional.

Wählbar ist für den EV2 auch das Sitzlayout: Er fährt entweder als Fünf- oder als Viersitzer vor, wobei Letzterer im Fond zwei individuell verschiebbare Einzelsitze mit neigbarer Lehne bietet. Damit können die Beinfreiheit für die Passagiere und das Kofferraumvolumen bedarfsgerecht maximiert werden. Das Platzangebot ist aber selbst bei der Priorisierung des Gepäckabteils (das dann 403 Liter schluckt) ausgezeichnet.


Praktischer Kleiner: Die kastenartige Form und der hohe Aufbau erlauben viel Nutzwert im Interieur.
Praktischer Kleiner: Die kastenartige Form und der hohe Aufbau erlauben viel Nutzwert im Interieur.

Genügende bis sehr gute Reichweite

Weitere 15 Liter Stauraum gibt es im serienmässigen Frunk, also dem Fach unter der Motorhaube, in dem das Ladekabel (der EV2 kann übrigens bidirektional laden) untergebracht wird. Einen solchen vermisst man beispielsweise im EV4 – Vorteil EV2.

Kleine Abstriche gegenüber EV4 & Co. müssen hingegen beim Antriebsstrang gemacht werden, denn der EV2 ist mit maximal 147 PS schwächer als sie motorisiert, wird wohl nur mit Frontantrieb zu haben sein und hat mit Akkukapazitäten von 42,2 kWh (Standard Range) respektive 61 kWh (Long Range) auch kleinere Batterien. Die anvisierten WLTP-Reichweiten von 317 und 448 Kilometern entsprechen im Segmentvergleich jedoch gutem Durchschnitt respektive einem veritablen Spitzenwert. Zudem sind diese Angaben bei Kia erfahrungsgemäss sehr realitätsnah.

Das Gleiche gilt für die Ladezeiten, denn Kia hält die maximale Ladeleistung eher tief, will lieber die Ladekurve möglichst lange oben halten. Genaue Angaben gibt es noch nicht, doch für eine Füllung von 10 auf 80 Prozent am Schnelllader soll jeweils eine halbe Stunde genügen. An der Wallbox ist der EV2 sogar schneller als viele seiner grösseren Brüder, denn als erster Kia kann er direkt zur Markteinführung im Sommer 22 kW ziehen. Die Preise sind noch nicht bekannt.

Text Simon Tottoli / Bilder Werk

Diese Webseite verwendet Cookies.  Datenschutzerklärung