Fahrbericht Nissan Micra

Voll auf Strom

Nach über sechs Millionen, seit 1983 verkauften ­Fahrzeugen, wechselt Nissan die Klaviatur seines Erfolgsmodells: Bei der 6. Generation des Micra gibt es keine Verbrennermotoren mehr im Angebot.

Das Fahrwerk des Nissan Micra ist eine Spur komfortabler justiert wie beim Plattformbruder von Renault. Die Lenkung ist relativ direkt abgestimmt.
Das Fahrwerk des Nissan Micra ist eine Spur komfortabler justiert wie beim Plattformbruder von Renault. Die Lenkung ist relativ direkt abgestimmt.

Die seit 1999 bestehende Allianz zwischen Renault und Nissan hat nach Jahren der Neuausrichtung und Unsicherheiten frischen Wind erhalten. Die beiden neuen CEOs François Provost (Renault, seit
1. Juli 2025) und Ivan Espinosa (Nissan, seit 1. April 2025) beleben die zeitweise arg ins Stocken geratene Partnerschaft wieder. Vor allem bei der Entwicklung von Elektroautos spannen sie zusammen. So beim neuen Nissan Mirca, der auf der AmpR- Small-Plattform des Renault 5 basiert. Beide werden im nordfranzösischen Douai produziert.


In technischer Hinsicht haben die beiden Elektroautos naturgemäss viele Gemeinsamkeiten, optisch gehen sie hingegen unterschiedliche Wege. Hier der französische Retro-Beau, dort der aufgrund seiner runden (Scheinwerfer-)Augen eher knuffelig anmutende Japaner. Natürlich versucht Nissan beim Micra möglichst viel Eigenständigkeit zu bewahren. Beim Exterieur gelingt das überzeugend – auch mit anderen Farben. Gleich 14 Farbkombinationen, darunter auch solche mit silbernem oder schwarzem Dach, stehen zur Auswahl.

Innen gleichen sich die Plattform-Brüder deutlich mehr, insbesondere bei den praktisch identischen Armaturen inklusive des Infotainmentsystems auf Google-Basis. Während Renault seine Kunden beim Fünfer aber mit einem Baguette-Halter überrascht, sucht man im Micra vergeblich nach der Sushi-Box. Dagegen sind R5 und Micra beim Platzangebot wieder auf Augenhöhe: Beide sind 2+2-Sitzer mit einem guten Raumgefühl auf den Vordersitzen.


Unter dem schmucken Heck bietet der Micra mit 326 bis maximal 1100 Liter einen der grössten Stauräume im Segment.
Unter dem schmucken Heck bietet der Micra mit 326 bis maximal 1100 Liter einen der grössten Stauräume im Segment.

Zwei Batteriegrössen

Für den 3,97 Meter kurzen und rund 1,5 Tonnen schweren Japaner sind zwei Grössen des Lithium-Ionen-Akkus verfügbar. Als Basis dient die 40-kWh-Batterie mit einer Leistung von 122 PS (90 kW) und einer WLTP-Reichweite von 317 km. In der Schweiz dürften sich erfahrungsgemäss die grosse Mehrheit der Kunden für die 52-kWh-Version mit 150 PS (110 kW), 215 Nm Drehmoment und 350 bis 400 km Reichweite entscheiden. Sie beschleunigt in acht Sekunden von 0 auf 100 km/h und wird bis zu 150 km/h schnell. 

Im Gegensatz zum Renault 5 bietet der Nissan Micra von Beginn weg Schaltpaddels für verschiedene Rekuperationsmodi inklusive One-Paddel-Funktion. Dazu gibt es vier Fahrmodi: Comfort, Eco (Leistung auf 50 kW reduziert), Sport und Perso. Ebenfalls bereits bei der Einstiegsversion an Bord ist eine Wärmepumpe. Die maximale Ladeleistung liegt bei 80 bzw. 100 kW (AC mit 11 kW). An einer DC-Schnellladestation soll damit eine Wiederaufladung von 15 auf 80 Prozent in 30 Minuten möglich sein.

Der Micra steht seit Januar bei den Nissan-Händlern. Die Einstiegsversion (40 kWh) gibt es ab CHF 28'200.–. Das stärkere Modell startet bei CHF 34'700.–. Dazu bietet Nissan Schweiz exklusiv für alle beim Markenhändler gekauften Micra eine 7-Jahr-Garantie.

Wie Laurent Fessy, seit 1. Januar neuer Markendirektor von Nissan Switzerland, bekanntgab, folgt bereits im Juni dieses Jahres die Neuauflage des Elektropioniers Nissan Leaf als Kompakt-Crossover. Und für 2027 stehen der Elektro-Juke und der neue Primastar EV mit bis zu neun Sitzplätzen in den Startlöchern.


Text Markus Rutishauser / Bilder Werk

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