Mit dem neuen
Leaf, der im Frühjahr in die Showrooms rollt, will Nissan wieder auf Augenhöhe
mit der Konkurrenz agieren. Die 3. Generation hat in jeder Hinsicht deutlich
zugelegt.

Nissan startete ab 2010 in Europa als einer der ersten Hersteller mit reinen Elektroautos. Die erste Generation war eine Lösung für Öko-Gutmenschen, die die bescheidenen Leistungen punkto Reichweite und Ladefähigkeit mit ihrem grünen Lebensbild rechtfertigen konnten. Die zweite Version (ab 2017) ist schon seit einiger Zeit nicht mehr auf einem konkurrenzfähigen Niveau. Nissan bezeichnet die dritte Generation als Elektromobil, das voll alltagstauglich sei, und spricht von einem «erwachsen gewordenen Leaf». Wir konnten den Neuen bereits testen und teilen diese Einschätzung vollumfänglich.
Der neue Leaf basiert auf der CMF-EV-Plattform, die neben mehr Leistung und Laufruhe auch einen hohen Fahrkomfort ermöglicht. Die dritte Generation misst 4,35 Meter in der Länge und ist damit 14 Zentimeter kürzer als der Vorgänger. Dank kürzeren Überhängen bleibt der Radstand mit 2,69 Metern trotzdem fast (minus 1 cm) identisch. Das Einpark-Erlebnis ist folglich besser und im Innenraum gibt es mehr Platz. Das Kofferraumvolumen ist mit 467 Litern sehr ordentlich.
Im Angebot stehen zwei Akkugrössen mit 52 und 75 kWh Kapazität, was zu guten WLTP-Reichweiten von bis zu 440 und 622 Kilometern ausreichen soll. Die Elektromotoren leisten 130 kW (177 PS) und 160 kW (218 PS, 355 Nm). Stromfressend sind naturgemäss Autobahnfahrten: Der Hersteller gibt da zum neuen Leaf eine Reichweite von 330 Kilometern bei 130 km/h und 430 Kilometern bei 110 km/h an, was durchaus gute Werte sind. Der Energieverbrauch soll bei tiefen 13,8 kWh auf 100 Kilometer liegen. Schnellladen kann der neue Leaf bis zu 150 kW. Im Idealfall (und der 75 KWh-Batterie) kommen so in 30 Minuten bis zu 420 Kilometer Reichweite hinzu.


Zuerst gehen wir mal rund ums Auto. Aerodynamisch und damit verbrauchssenkend sieht der neue Leaf schon mal aus – und ist es auch. 0,25 CW-Wert sind für einen Crossover ein vorzüglicher Wert. Er wirkt wie aus einem Guss, klare Linien, kein Schnickschnack und mit einem markanten Spoiler. Die Sitze sind bequem und sportlich konturiert. Wir schwenken auf unserer Testfahrt für etwa 20 Kilometer auf die Autobahn, später geht es über zum Teil enge Landstrassen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt bei rund 50 km/h und der Verbrauch beträgt 14,5 kWh/100 km, womit die Praxis die Herstellerangaben nahezu bestätigt.
Für One-Pedal-Driving gibt es den e-Pedal Step-Schalter, verschiedene Rekuperationsstufen stehen mit den Schaltwippen am Lenkrad bereit. Alle wichtigen modernen Assistenzsysteme sind mit an Bord. Mit der bidirektionalen Vehicle-to-load (V2L) Funktion können sogar externe Geräte mit bis zu 3,6 kW betrieben werden. In Zukunft soll auch die Vehicle-to-Grid (V2G) Funktion verfügbar sein.


Text Michael Rebsamen / Bilder Werk