Kein Rücktritt, sondern Rollentausch – damit die Faszination Rennsport nicht vergessen wird

07.07.2022

In den 20 Jahren, in denen ich selbst aktiv in der Motorrad-Weltmeisterschaft dabei war, hat sich die Präsenz des Motorsports in der Schweiz stark gewandelt.

Zwar hat es seine Zeit gedauert, bis schlussendlich Ende Mai 2022 auch das Schweizer Rundstreckenrennverbot gefallen ist. Dennoch durften wir in dieser Zeit miterleben, wie der Sport zunehmend mehr Medienpräsenz erhielt und wie das generelle Interesse an Motorrädern und am Rennsport anstieg.

Zwischenzeitlich durfte die Schweiz mit insgesamt fünf Fahrern in der Moto2-Weltmeisterschaft mitfiebern – eine Zeit, die auch das Schweizer Fernsehen und viele andere Medien dazu gebracht hat, dem Motorradsport eine Plattform zu geben und sich regelmässig am Renngeschehen zu beteiligen. Inzwischen haben sich die Dinge leider geändert. Ich bin vom aktiven Sport zurückgetreten, weitere Schweizer Spitzenfahrer wie Dominique Aegerter oder Randy Krummenacher sind zwar weiterhin aktiv, jedoch nicht mehr im Grand Prix Sport. Der Fakt, dass wir bisher keinen weiteren Schweizer wenigstens in die Moto3- geschweige denn in die Moto2-Meisterschaft gebracht haben, ist demnach nicht nur aus sportlicher Sicht schade. Es bedeutet vor allem auch, dass das allgemeine Interesse an Medienübertragungen rückläufig ist und wir einen Weg finden müssen, um dieses Interesse so hoch wie möglich zu halten – übergangsweise, bis wir es schaffen, allenfalls mit Noah Dettwiler oder anderen Schweizer Nachwuchstalenten auch auf den Strecken wieder präsent zu sein.

Diese Aufgabe zu meistern, das ist gar nicht so einfach, denn das Publikum möchte nicht nur den Sport generell verfolgen. Das Publikum möchte vielmehr Helden sehen, die eigenen Fahrer an der Spitze unterstützen. Solange wir das nicht bieten können, möchte ich meinerseits alles mögliche tun, um die Verbindung zwischen der Schweiz und der internationalen Rennsportwelt aufrechtzuerhalten. Zurzeit kann ich mit meiner Doppelrolle als Sportchef des PrüstelGP Teams in der Moto3 WM und meiner Moderationsunterstützung im SRF an den MotoGP und teilweise an den MotoE-Rennen zum Glück einen Beitrag dazu leisten. Ich hoffe, damit meine Leidenschaft mit einem breiten Publikum teilen zu können und den Menschen vor den Fernsehgeräten zuhause einen Einblick in die faszinierende Rennsportwelt ermöglichen zu können. Nur wenn wir es schaffen, diese Faszination aufrechtzuerhalten und möglichst bald wieder eine Schweizer Präsenz in den Grand Prix Zirkus zu bringen ist es auch möglich, weiterhin eine Plattform für unseren Sport erhalten und nutzen zu können.

Ihr 
Tom Lüthi, ACS Botschafter

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